Dass Hotels über elektronische Buchungsplattformen - HRS, Hotel.com, Trivago, Expedia, etc. - bestellt werden, ist längst geübte Praxis. Man gibt meist im voraus Ort, Datum und Zimmerwunsch ein und erhält eine Liste mit den aktuellen Preisen.
Die Buchungsplattform checkfelix.com hat kürzlich eine neue praktische iPhone-App veröffentlicht, mit der die Preise für Hotels noch effizienter verglichen werden können - www.checkfelix.com/iphone.
Die smarte App zeigt nämlich direkt die freien Zimmer in der nahen – auf Wunsch auch weiteren – Umgebung an. Wer in einem Ort aus dem Zug steigt oder sein Auto einparkt, bekommt sofort die entsprechenden tagesaktuellen Angebote geliefert.
Ein Test in der Praxis kürzlich in Dresden zeigte die Pluspunkte für den Gast und was es seitens der Hotellerie noch zu lernen gibt. Nach der Anreise und beim erholsamen Snack am frühen Abend checken wir das Angebot. Für preiswerte 67 Euro ist ein Zimmer in einem 4-Sterne-Haus im Herzen der Altstadt zu haben. Der Preis erscheint wohlfeil. Aufgrund der Nähe buchen wir nicht am Handy, sondern gehen die paar Schritte zum Hotel.
Auf die Frage nach einem Zimmer bietet uns die Rezeptionistin eines um 117 € an. Die „Drohung“, es jetzt via Handy um 67 € via HRS zu buchen (wovon das Hotel noch Provision zahlen muss), lässt nach einem kurzen Anruf an intern höherer Stelle den Preis sofort sinken. Zwar „nur“ auf 87 €, aber wir wollen nicht weiter diskutieren. Das sei, so die Auskunft, der Preis, mit der das Haus an diesem Tag bei HRS gelistet sei. Später am Abend testen wir die Buchung bis vor den finalen Knopfdruck, es wäre bei den 67 € geblieben …
Was bleibt ist die Erfahrung, dass manche Hotels die Spielregeln des elektronischen Buchungsmarktes offenbar noch nicht intus haben. Und sie werden dazulernen müssen, denn immer mehr Kunden haben unterwegs smarte Endgeräte bei der Hand, mit deren Hilfe sie die Preise sofort vergleichen können. Da wird wenig Spielraum für jene Anbieter bleiben, die glauben, sich bei den direkt an der Rezeption fragenden Spontangästen eine goldene Nase verdienen zu können.
hlumamanfred - 26. Mär, 10:22
Social Media im Tourismus – in fast keiner anderen Branche hat das Thema mehr Relevanz. Laut einer brandaktuellen Studie sind fast alle deutschen Touristiker – wie die österreichischen auch – auf Facebook unterwegs, um ihre Fans zu mehren und den Kontakt zu ihnen zu pflegen. Aber dort, wo sich potenzielle Gäste wirklich informieren und austauschen, sind die Touristiker noch nicht zu Hause, nämlich auf den Bewertungsportalen und in diversen Foren. Vielleicht weil’s auf Facebook easy ist – und in Foren und Bewertungsportalen mehr Mühe macht, mit potenziellen Kunden umzugehen?
Mit Gästen auf Augenhöhe kommunizieren, den Dialog mit ihnen zu pflegen, das hat ja was. Wie gehen die Touristiker damit im Detail um und sind sie in den richtigen Kanälen unterwegs? Einige Antworten darauf finden sich in einer brandaktuellen Studie, die auf dem Kongress der Internationalen Tourismusbörse (ITB) präsentiert wurde. Danach hat Social-Media-Kommunikation im Tourismus sozusagen den Mainstream erreicht: 94 Prozent der deutschen Tourismusunternehmen nutzen Social-Media-Kanäle zur Unternehmenskommunikation. Das mit einigem Abstand beliebteste Netzwerk ist Facebook: 98 Prozent der deutschen Touristiker bedienen sich dieses Angebots. Danach folgen Youtube (72%) und Twitter (68%). Google+ und Bewertungsportale liegen mit je 48 Prozent so mitten drinnen. Am unteren Ende dieser Liste finden sich Pinterest (22%), LinkedIn (17 %) und Foren (15%).
Bei der Nutzung der Social Media hat der überwiegende Teil (82%) der Touristiker die Steigerung des Bekanntheitsgrad im Sinn, versteht diese Medien als Dialogplattform (75%) oder bedient sich ihrer für Promotion Aktionen. Fast nicht zum Einsatz kommen die sozialen Medien als Buchungsservice, zur Produktoptimierung oder zur Absatzsteigerung – was eigentlich schade ist, denn gerade zur Produktoptimierung, aber auch zur Absatzausweitung könnten sie gut herangezogen werden.
Ihr Engagement auf sozialen Kanälen nehmen die Deutschen durchaus ernst: 47 Prozent der Befragten haben konkrete Vorstellungen davon, wie sie ihr Netzwerk bedienen, 42 Prozent haben eine vage Idee, wie sie vorgehen und elf Prozent agieren nur aus der Situation heraus. 78 Prozent der Befragten haben sich, was ja auch sinnvoll ist, einen festen Ordnungsrahmen für die Bewegung in den sozialen Netzen gegeben – meist mit einem eigenen Social-Media-Verantwortlichen, Guidelines und definierten Fristen zur Reaktion auf Posts.
Dem Monitoring schenken die deutschen Tourismusunternehmen allerdings nur geteilte Aufmerksamkeit: 60 Prozent beobachten, was über sie in den sozialen Netzwerken gesprochen wird, die übrigen 40 Prozent verzichten darauf. Und wenn sie’s tun, dann bemühen 56 Prozent dafür auch professionelle Services – eine Notwendigkeit, wenn es um Fragen der Reputation geht, aber auch wichtig, um überhaupt reagieren zu können – proaktiv, bevor ein Shitstorm am Horizont aufzieht. Sie haben’s begriffen, könnte man sagen: 100 Prozent und somit alle im Social-Media-Business tätigen deutschen Touristiker reagieren auf kritische Posts.
Und in Zukunft? 92 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Relevanz der sozialen Netzwerke in den nächsten fünf Jahren zunehmen wird.
Und ganz spannend wird’s zum Schluss: Die Konsumenten suchen im Internet am ehesten Rat und Infos, so glauben die befragten Touristiker – auf Bewertungsportalen wie holidaycheck, tripwolf, tripadvisor und anderen, und nicht auf Facebook, dem Liebkind der touristischen Social-Media-Strategen.
Susanna Gassner - 17. Mär, 15:43
„Netug Gat eniem Nemad dnu Nerreh!“ oder andersrum: „Guten Tag meine Damen und Herren!“,hieß Bernhard Wolff, kreativer Entertainer und fließend Rückwärtssprecher seine neugierigen Gäste beim vergangenen Marketing Clubabend im Juni 2012 willkommen. „Think innovative“ lautete sein Aufruf zu mehr Kreativität in Job und Alltag.
Mit überraschenden Aktionen, viel Witz und Charme schaffte es der deutsche Firmenberater und Ideengeber Wolff im Apothekertrakt des Schloss Schönbrunn, die Lust auf neue Ideen zu wecken. Laut Wolff gibt es im Grunde zwei Typen von Menschen: die Bewahrer und die Veränderer. So widme sich die Mehrheit der Menschen lieber ihren derzeitigen Problemen, statt zukünftige Chancen zu erkennen.
Doch wie kann nun jeder von uns zu einem kreativen Köpfchen werden?
Wolff zeigt hierzu sieben Punkte auf, die es zu befolgen gilt:
• Versuchen Sie immer wieder Ihren Autopiloten zu deaktivieren, also alte Gewohnheiten zu durchbrechen.
• Vermeiden Sie ein vorschnelles und unnötiges Bewerten von Vorschlägen.
• Versuchen Sie immer, eine möglichst große Menge an Ideen zu produzieren.
• Haben Sie keine Scheu davor, Annahmen zu hinterfragen.
• Nutzen Sie die Gelegenheit von Zeit zu Zeit die Perspektive zu wechseln.
• Versuchen Sie verschiedene Ideen und Ansätze zu kombinieren.
• Visualisieren Sie Ihre Wünsche und lassen Sie Bilder im Kopf entstehen, so lassen sie sich besser umsetzen!
Weitere Erkenntnisse und Ansätze Wolffs: Gute Ideen entstehende fast nie im Büro, sondern an anderen Plätzen – der Nassbereich (WC/Dusche/Bad) oder auch die Natur kommen in Befragungen besonders oft vor. Oft führt auch erst die Kombination von zwei oder drei Gedanken zu einer durchschlagenden neuen Idee. Wolff rät auch dazu, Ideenmanagement zu betreiben.
Seine langjährige Erfahrung als Kreativer, Berater und Ideengeber lässt Bernhard Wolff seit 2007 in seinen Keynote-Vortrag „Think innovative! Lust auf Ideen“ einfließen.
hlumamanfred - 5. Jul, 10:09
Es klingt wie eine Szenenbeschreibung aus einem
Science-Fiction-Film: der
helfende Laie aktiviert in medizinischen Notfällen einen elektronischen Helfer und stellt damit die richtigen Diagnosen und rettet den Kranken oder Verletzten.
Doch die Realität beginnt die Utopie einzuholen. Ein neues, von der europäischen Raumfahrtorganisation ESA entwickeltes
Augmented-Reality-System stellt Astronauten medizinisches Sofortwissen bereit. Sie brauchen lediglich einen Datenhelm aufzusetzen und erhalten bei medizinischen Diagnosen oder sogar bei Operationen 3D-Unterstützung, berichtet die ESA.
Das “Computer Assisted Medical Diagnosis and Surgery System” (CAMDASS) ist ein tragbarer Augmented-Reality-Prototyp. Bei der Augmented Reality (AR) – zu deutsch „Erweiterte Realität“ - wird die reale mit der virtuellen Welt kombiniert, indem das tatsächliche Blickfeld des Trägers präzise um Ebenen computergenerierter Darstellungen ergänzt wird.
Noch kommt CAMDASS derzeit einzig bei Ultraschall-Untersuchungen zum Einsatz, es lässt sich im Prinzip aber auch mit anderen Diagnose- und Behandlungsverfahren kombinieren. Die Wahl fiel auf Ultraschall, da es sich hierbei um eine
vielseitige, effiziente Diagnosetechnik handelt, die auf der internationalen Raumstation ISS auch bereits Anwendung findet.
Zukünftige Astronauten, die sich weiter in den Weltraum hinaus wagen, müssen in der Lage sein, sich gegenseitig zu behandeln. Je nach Entfernung von unserem Heimatplaneten ist der Funkverkehr mit Experten auf der Erde entweder völlig unmöglich oder aber mit langen Signallaufzeiten verbunden.
„Die Crew verfügt zwar über einen gewissen Grad an medizinischem Fachwissen, dennoch können Astronauten nicht sämtliche potentiell notwendigen medizinischen Verfahren im Vorfeld erlernen und trainieren“, so der Biomedizin-Ingenieur Arnaud Runge, der das Projekt bei der ESA betreut. CAMDASS verwendet einen Stereo-Datenhelm und ein Ultraschallgerät, das über eine Infrarot-Kamera verfolgt wird. Der Patient wird mittels Markern überwacht, die an der zu untersuchenden Körperstelle angebracht sind.
Ein Ultraschallgerät ist mit CAMDASS verbunden, und über dieses System kann der Körper des Patienten von der Kamera „registriert“ und das Blickfeld dem jeweiligen Nutzer angepasst werden.
Im Datenhelm werden 3D-Hinweise eingeblendet, die den Anwender anleiten. Diese werden durch den Abgleich der entsprechenden Körperstellen eines „virtuellen Menschen“ und des registrierten Patienten generiert.

So weiß der Nutzer, wo er den Ultraschallkopf ansetzen und wohin er ihn führen muss. Ultraschall-Referenzbilder geben dem Anwender Hinweise darauf, was er im Ultraschall sehen sollte, und die Spracherkennung sorgt dafür, dass er bei der Untersuchung beide Hände frei hat.
Medizinstudenten und Krankenpflegeschüler, das belgische Rote Kreuz und Pflegepersonal an der Brüsseler Universitätsklinik Saint-Pierre haben den Prototypen auf seine Anwendbarkeit hin getestet.
Auch
ungeübten Anwendern gelang auf diese Weise die
Durchführung relativ schwieriger Behandlungen ohne weitere Hilfe sowie die richtige Positionierung der Ultraschallsonde.
„Anhand dieser Erfahrungen wollen wir das System weiter verbessern - dazu gehört beispielsweise ein leichterer Datenhelm und die weitere Miniaturisierung des Prototyps“, so Arnaud. „Sobald die Einsatzreife des Systems gegeben ist, kann es auch als satellitengestütztes Telemedizin-System verwendet werden. Zudem könnte es beispielsweise als autarkes Tool bei Notfalleinsätzen gute Dienste leisten.“
Arnaud weiter: „Es wäre interessant, das System in abgelegenen Regionen, in Entwicklungsländern oder vielleicht in der Concordia-Antarktisstation weiter testen zu können. Irgendwann könnte es dann auch im Weltraum eingesetzt werden.“
Die vom ESA-Grundlagenforschungsprogramm finanzierte Entwicklung des Prototyps erfolgte durch ein Konsortium unter Führung der belgischen Space Applications Services NV mit Unterstützung der TU München und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).
hlumamanfred - 28. Feb, 14:22
Egal ob Friseur, make up, Gastronomie, Staubsauger, Flüge, Reisen, Fotoshooting, Thermenwartung, Malerarbeiten, Thermounterwäsche, Anti-Raucherseminare, Hundebetten – es gibt kaum etwas, das inzwischen über diverse Schnäppchenportalen wie „Daily deals“, „Groupon“ „mein-deal“, „deals.de“ und zahlreiche andere nicht angeboten wird.
Als Groupon vor rund zwei Jahren am österreichischen Markt aktiv wurde, war es noch ein interessantes Angebot. Ein bis drei Schnäppchen pro Tag um etwa 50 Prozent billiger als zum Normalpreis, für das Zustandekommen der Deals wurde eine Mindestanzahl von Teilnehmern gefordert. Außerdem waren die Deals auf einen Tag begrenzt, was ihnen noch eine gewisse „Exklusivität“ gab.
Das Modell funktioniert vereinfacht so: Der Anbieter – beispielsweise ein Restaurant – bietet via Deal-Portal seine Dienstleistung um 50 Prozent billiger an. Von den verbleibenden 50 Prozent kassiert der Portalbetreiber nochmals die Hälfte. Bleiben in diesem Fall dem Wirt gerade mal 25 Prozent. Ob sich das für den Wareneinsatz ausgeht, sei dahingestellt. Vom Abdecken der weiteren Kosten für Personal, Miete, Energie etc. ganz zu schweigen.
Inzwischen ist das Geschäft mit den Deals inflationär geworden. Die Ersparnis für den Gutschein-Käufer liegt inzwischen oft schon bei 70 und auch 80 Prozent des Normalpreises. Rechnet man hier auch noch die Gebühren für das Portal weg und diverse Unkosten dazu, ist das für den Anbieter gerademal ein Nullsummenspiel.
Natürlich kann – und muss man wohl auch - man den Gutscheinvertrieb als gezielte Werbemaßnahme sehen und scharf kalkulieren. Wesentlich ist dabei jedenfalls, eine Mengengrenze zu ziehen und beispielsweise festzulegen, dass nicht mehr als 50 Gutscheine verkauft werden dürfen. Wer darauf nicht achtet, kann dann möglicherweise ein Jahr lang die Rabattkäufer abarbeiten.
Einer, dem nicht zuletzt der Gutscheinverkauf zum Verhängnis wurde, ist der Gastronom Günter Szigeti, der sein renommiertes Lokal „Zur schwarzen Katze“ in Wien-Währing nun zusperrt: „Das Fass zum Überlaufen hat aber das Desaster mit den Daily Deal-Gutscheinen gebracht. Von vielen unternehmerisch fragwürdigen Entscheidungen war das mit Abstand die dümmste, die wir je getroffen haben. Nicht nur die Bedingungen der Firma Daily Deal selbst sind, gelinde gesagt, ungünstig, viel, viel schlimmer sind die Erfahrungen mit dem Großteil der Gutscheinkäufer“, hieß es auf der inzwischen geschlossenen Homepage. Denn dass Schnäppchenjäger nicht gerade zum Stammpublikum eines auf Haubenniveau stehenden Lokals passen, liegt auf der Hand.
Wer hingegen ähnlich dem Yield-System der Fluglinien an vorhersehbare „leeren“ Tagen seine Hotelbetten auch nur um ein Viertel des Normalpreises füllt, erwirtschaftet zumindestens einen geringen Deckungsbeitrag. Und auch der Friseur, der Vormittagslücken schließen will, freut sich wahrscheinlich über wenigstens einen kleinen Zusatzumsatz. Denn wann die Käufer die Gutscheine einlösen dürfen, kann der Anbieter festsetzen bzw. nach Bedarf steuern.
Sich mit Deals in Rabattschlachten zu begeben, verändert auch das Image des Anbieters – nicht unbedingt zum Besseren. Wer beispielsweise – ein konkreter Fall – regelmäßig Schnäppchenangebote eines Malereiunternehmens findet, wird wohl kaum je zum Normalpreis dort bestellen. Kurz gesagt, auch so kann man sich seine Preise ruinieren, ganz ohne Konkurrenz.
hlumamanfred - 20. Feb, 10:11
„Kaum zu glauben, aber noch immer verzichtet die österreichische Wirtschaft jährlich auf eine Summe von 20 Milliarden Euro. Dies beziffert exakt die Kaufkraft der rund 1,6 Millionen in Österreich lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.“ Dieses Fazit zog Manuel Bräuhofer von der Firma „Brainworker“ beim Clubabend des Marketing Clubs Österreich (MCÖ) Mitte Jänner 2012 zum Thema „Ethnomarketing in Österreich“.
Was so plakativ gesagt eher nicht stimmen kann, denn die beschriebene Zielgruppe hortet wohl kaum Geld in dieser Menge, sondern gibt Einkünfte und Erspartes schon jetzt aus. Allerdings könnten Firmen mittels Ethnomarketing diese Konsumenten konkreter ansprechen, denn die Migranten werden von der Werbewirtschaft vernachlässigt. Und ihre Zahl entspricht immerhin in etwa der Bevölkerung von Niederösterreich. Einige Zahlen: Allein aus dem früheren Jugoslawien stammen rund 19 % der in Österreich lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, das sind rund 740.000 Personen. Aus dem Herkunftsland Türkei leben rund 300.000 Konsumenten im Land. 35 Prozent der „neuen Österreicher“ entfallen auf die Bundeshauptstadt, davon sind rund 180.000 Muslime.
Um die Migranten – dazu zählt rund jeder fünfte Einwohner in Österreich - als Konsumenten zu gewinnen, bedarf es laut Bräuhofer weit mehr als der bloßen Übersetzung von Werbeanzeigen. Die spezifische Anpassung des Marketing-Mix an eine ethnische Community sollte aber auch nicht als Sonderbehandlung einer bestimmten Zielgruppe angesehen werden.
Die Geschäftsführung müsse bei allen Ethnomarketing-Maßnahmen dahinter stehen und die Mitarbeiter entsprechende Schulungen erfahren sowie für den Umgang mit neuen Völkergruppen sensibilisiert werden. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch und eine Supervision für die Beschäftigten zählen zu den nötigen Bestandteilen.
Es gehe darum, auf kulturelle und sprachliche Unterschiede einzugehen und dabei Produkte und Kommunikation zu optimieren. Zahlreiche Gründe sprechen dafür: Die überwiegend junge Zielgruppe der Migranten ist äußerst loyal, besitzt ein ausgeprägtes Prestigedenken und eine hohe Markentreue. Der Konsum von Markenartikel spielt eine wichtige Rolle, die Statussymbole gelten als Zeichen dafür, es in der neuen Heimat „geschafft“ zu haben. „Die Markentreue geht bis zum BMW-Logo auf Grabsteinen am Wiener Zentralfriedhof“ (Bräuhofer). Jeder 10. Mercedes in Deutschland wird laut Untersuchungen übrigens von einem Türken gefahren, aber nur jeder 36. von einem Deutschen.
Ein bedeutender Aspekt ist auch die überdurchschnittliche Weiterempfehlungsbereitschaft dieser Zielgruppe, die sich glaubhafte Unternehmen zu nutzen machen können.
Eine Ethnomarketing-Strategie zu fahren sollte allerdings niemals als ein kurzzeitiges Marketingprojekt abgetan werden. Vielmehr ist Ethnomarketing als Teil der gesamten Unternehmensphilosophie anzusehen. Neben der externen spielt vor allem die interne Kommunikation eine bedeutende Rolle. Bei jedem Mitarbeiter geht es dabei um Sensibilisierung, die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches sowie die Förderung interkultureller Kompetenzen.
Neben Manuel Bräuhofer waren drei Marketingverantwortliche im Bereich Ethnomarketing am Podium. „It’s not charity, it’s business!“ stellte Werner Schediwy, Marketingleiter der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, im Voraus klar. Die „Beraterbank“ hat vor rund drei Jahren mit ihren Bemühungen im Bereich Ethnomarketing begonnen. „Es ist ein ständiges Lernen und Weiterentwickeln. Insgesamt sorgen 35 mehrsprachige Mitarbeiter in zehn Filialen für eine bessere Kommunikation und ein besseres Verständnis bei den doch sehr erklärungsbedürftigen Finanzprodukten.“
Auch worauf sich Mitarbeiter einstellen müssen, schilderte Schediwy an einem Beispiel. Potenzielle türkische Kunden kämen oft mit Verwandtschaft in die Filiale. Dann werde einige Zeit erst nur über die eigene Familie erzählt und erwartet, dass auch die Mitarbeiter von der ihrer Familie erzählen. Erst nach dieser Phase, die durchaus eine Viertelstunde oder länger dauern kann, seien sie bereit, konkret über geschäftliche Fakten wie beispielsweise eine Kontoeröffnung zu sprechen. Dafür sei es durchaus möglich, dass der gewonnene Kunde bereits am Nachmittag mit einem anderen, neuen Interessenten in der Filiale stehe.
Als ein erfolgreiches Ethno-Produkt bezeichnete Schediwy den sogenannte „Hochzeitskredit“. Dieser dient für türkische Familien der Vorfinanzierung der äußerst aufwendigen Hochzeitsfeiern, bei denen sich bis zu 1.500 Gäste in eigens dafür angemieteten Zelten vergnügen. Raiffeisen ist bei solchen Veranstaltungen als Finanzierer dann mit dem Logo auf dem Geschirr sowie Werbung beim Event präsent.
„Man muss natürlich auf die andere Emotionalität und Denkweise dieser Menschen eingehen“, sagt Schediwy: „Es ist beispielsweise nur sehr schwer möglich, einem Kunden türkischer Herkunft das Bausparen zu erklären, weil es ein solches Modell in der Türkei eben nicht gibt“. Auch bei den klassischen Werbemaßnahmen geht Raiffeisen im Ethnomarketing andere Wege: So werden in den TV-Spots in den einschlägigen Kanälen (es gibt rund 90 Ethno-Medien, von denen die Mehrheit laut Bräuhofer in „türkischer“ Hand sind) keine Schauspieler, sondern es werden die realen Mitarbeiter der Bank bei der Arbeit gezeigt. Dasselbe gilt auch für Inserate und auf Plakaten – auch dort lachen echte Raika-Mitarbeiter aus den Sujets.
Wie es die Telekomfirma Orange Austria geschafft hat „die Grenzen zu öffnen“, schilderte Marketingleiterin Elisabeth Rettl. Mit speziellen Tarifmodellen und Slogans wie „Merhaba Türkei“ oder „Zusammen sind wir mehr“ habe Orange erfolgreich den Versuch gestartet, bei ihren Zielgruppen den Wunsch nach spezieller Anerkennung zu erfüllen. Bei diesen Paketen hat Orange jeweils um die 100.000 Kunden erreichen können. Begonnen hat man damit bereits Mitte des letzten Jahrzehnts.
Dass das Tourismus-Unternehmen Blaguss sich bei den Busfahrten Richtung Osteuropa am Markt als führendes Unternehmen etablieren konnte, beschrieb Darko Selenic, Leiter der internationalen Linien bei Blaguss-Reisen. „Seit jeher fahren Gastarbeiter mit Blaguss-Bussen zu ihren Familien nach Hause. Mit gut strukturierten und qualitätsvollen Angeboten hat Blaguss von Anfang an richtig auf die Wünsche und Anforderungen der Migranten reagiert. Das Ergebnis ist eine hervorragende Reputation, die die Angebote zum Selbstläufer machen.“ Der Service des Unternehmens geht soweit, für muslimische und christliche Kunden getrennte Busse auf bestimmten Routen einzusetzen. Außerdem stammen viele Chauffeure aus den angefahrenen Zielstädten.
hlumamanfred - 23. Jan, 10:49
Es ist eine fast schon unendliche Geschichte: die Diskussion über die Ladenschlusszeiten in Österreich. Mich verfolgt sie jetzt als Mitglied der schreibenden Zunft seit über 30 Jahren. Zum Glück hat sich in dieser Zeit doch etwas bewegt – die Geschäfte dürfen nun allgemein länger offenhalten, sei es Abends an Wochentagen als auch Samstagnachmittag. Sonn- und Feiertag müssen die Rollbalken unten bleiben, einzige generelle Ausnahme für alle Betriebe ist der umstrittene 8. Dezember.
Zahlreiche Ausnahmen gibt es allerdings. In Tourismusgebieten dürfen die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet haben. Ebenso auf Bahnhofsgrundstücken oder im Lebensmittelbereich mit besonderen Konzessionen (Bäckerei und ähnliches). Wie es unzählige türkische Kleinstbetriebe schaffen, die Kundschaft auch sonntags mit Lebensmittel versorgen zu dürfen, erfreut immer wieder, bleibt aber ungeklärt. Übrigens alles kein Vergleich zum nahen Ausland, wo es im 3. Jahrtausend offenbar kein Problem ist, dass die Ladenbetreiber weitgehend selbst entscheiden, wann sie geöffnet halten und wann nicht.
Wer einen Hupfer nach Tschechien oder Ungarn macht, erlebt dort die zeitgemäße Freiheit des Kunden. In Italien haben große Einkaufszentren quer durchs Land bis zu sieben Tage geöffnet, je nach Standort auch am Sonntag bis zu 22:00 Uhr. Kleine Geschäfte haben quer durch Europa – leider nicht in Österreich – oft bis Mitternacht offen. Das funktioniert, weil sich jeder große und kleine Händler ziemlich genau überlegt, wann und ob es sich auszahlt, den Rollbalken oben zu halten.
Eigentlich ist es einfach: Jeder soll aufsperren dürfen, wann und wie lange er will. Es gibt ausreichend viele Gesetze, die die Arbeitnehmer durch eine Gesamtarbeitszeit nicht nur schützen, sondern ihnen andererseits auch entsprechend mehr Geld garantieren.
Was in der Diskussion auch oft vergessen wird: die Freigabe bedeutet nicht, aufsperren zu müssen. Kein guter Kaufmann wird nach einer Probezeit weiter aufsperren, wenn es sich nicht rechnet.
Nun hat Shoppingcenter-Betreiber Richard Lugner (Lugner City) gemeinsam mit anderen Kaufleuten eine Verfassungsklage eingereicht, um eine gesetzliche Ausweitung der Ladenschluss-Zeiten in Österreich am Sonntag zu erreichen. Ob es ihm gelingt, sich gegen die unheilige Allianz zwischen Kirche, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer sowie diversen anderen Interessensgruppen durchzusetzen, bleibt offen. Die Regierung hat jedenfalls schon abgewunken – die Wochenendruhe sei „für die Erholung und die Familie wichtig“. Damit jedoch unsere Freizeitgesellschaft ihre Erholung erleben kann, arbeiten viele Menschen am Wochenende freiwillig (nicht kostenlos). Für einen Skilehrer im Winter oder einen Bergführer im Sommer ist Wochenendarbeit ein wichtiger Teil des Einkommens. Und der Greissler im Tal darf dann nicht offen halten?Der Verfassungsrechtler Heinz Mayer, der für Lugner eine Expertise erstellte, meint, es widerspreche dem Recht auf Erwerbsfreiheit, am Sonntag geschlossen halten zu müssen.
Und je mehr Sonntagsarbeit es in der Gesellschaft gäbe, desto schwieriger werde es sein, den Handel zwangsweise davon befreit zu halten.
Unterschiedlichen Quellen zufolge arbeiten derzeit 15 bis 20 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich auch am Sonntag in unterschiedlichsten Bereichen: Krankenhäuser, Polizei, Gastronomie und Hotellerie, Flug-, Bahn-, Bus-, Seilbahn und Schiffsverkehr, Öffis, Taxis, Apotheken, Notarzt-Dienste, öffentliche und private Rettung, Künstler, Berufs- und Freiwillige Feuerwehr, Kirchen, Einzelhandel (dort, wo es schon erlaubt ist), Seilbahnen, Gas- und E-Werke, Schwimmbäder, Agrarbereich, Medienbereich, diverse Freiberufler und noch viele andere mehr.
Und warum sollte man es dann Handelsunternehmen verbieten, freiwillig auch am Sonntag geöffnet haben zu dürfen? Wenn es sich nicht rechnet, werden viele nicht auf- oder nach kurzer Zeit wieder zusperren. Auch gut, dann wäre ein endlich liberalisierter Markt um eine Erfahrung reicher.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 30. Aug, 16:38
„Ist Social Media Marketing eine Modeerscheinung?“ lautete die Themenstellung kürzlich bei einer Veranstaltung des Marketingclub Österreich. Der Hintergrund in Zahlen: 500 Millionen Menschen sind in Facebook, das entspricht jedem 13. weltweit. In den USA sind 200 Millionen auf Facebook, 150 Millionen der Benutzer sind übrigens über 35 Jahre.
„Wir sind gefordert, uns auf einen kontinuierlichen Wandel einzustellen“, postulierte Dieter Rappold, Geschäftsführer von „vi knallgrau“ (www.knallgrau.at), einem internet-affinen Dienstleistungsunternehmen: „Wir befinden uns in einer Übergangsphase von Massenmedien zu massenhaft Nischenmedien.“
Mythos sei es, dass ein Medienunternehmen existiere, um Inhalte einer konsumierenden Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In Wahrheit sei ein Medienunternehmen heute ein spezialisiertes Unternehmen, das Öffentlichkeiten für andere Unternehmen aggregiere, um dort Informationen zu platzieren.
Das neue Motto heißt laut Rappold: „consume, produce, share“.Es sei jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema nötig: „Twitter for business: 6 ways brands use twitter“ oder „Fast Facebook: 30 minutes to Facebook Success” seien keine geeigneten Instrumenten.
Seitens der teilnehmenden Unternehmer im Bereich von Social Media gehe es um das Versprechen des regelmäßigen Contents. Man müsse ein Vakuum kreieren, eine Erwartungshaltung schaffen und diese dann auch zufriedenstellen.
Zu den entscheidenden Voraussetzungen für den Einsatz von Social Media-Instrumenten zählen laut Rappold „Transparenz, Authentizität, der Willen zuzuhören und den Kunden mitentscheiden lassen.“ Eine Bedingung sei auch die Fähigkeit, rasch zu reagieren.
Obwohl Social Media ein Katalysator für die Entwicklung sozialer Kompetenz einer Organisation sei, hielten nur 27 % der Unternehmen die Definition der Ziele von Social Media für wichtig.
Das online-Budget der Unternehmen liegt in Österreich aktuell bei rund 10 Prozent, in Großbritannien sind es bereits bei 24 %. Der schlecht messbare „Return of invest“ (ROI) stehe dabei dem Risiko des Ignorierens gegenüber. Sich nicht heute mit Social Media auszukennen, werde morgen ein Stigma sein.
„Aber wie sich im Social Media Dschungel zurechtfinden?“, lautete die Grundsatzfrage von Alexandra Radl, Kommunikationschefin von Wien Energie, dem größten Energiedienstleistungsunternehmen Österreichs, die vor dem Marketingclub ihre Erfahrungen ausführte.
Die Ziele von Wien Energie mit Social Media waren
• eine verbesserte Awareness bei den Kunden.
• in direkten Kontakt mit den Kunden treten.
• Zugang zu neuen Zielgruppen erschließen.
• eine kommunikative Vorreiterrolle im Energiebereich als Marktführer einzunehmen.
Zu den konkreten Massnahmen gehören dabei: ein Wien Energie-Blog (http://blog.wienenergie.at), eine Facebook-Fanpage, ein Twitter Channel und auch ein Youtube-Channel.
„Facebook ist inzwischen ein wichtiges Promotion-Medium, über das wir Kampagnen verbreiten und Feedback bekommen“, sagt Radl, „Es hat eine enorme Mobilisierungskraft, der Multiplikationseffekt liegt pro Freund bei rund 130 weiteren Kontakten“. Das sei ein besonders gutes Empfehlungsmarketing. Wien Energie hat 2.500 Facebook-Fans bei rund zwei Millionen Kunden.
Twitter wiederum diene dazu, Echtzeitinformationen (etwa bei Störungsfällen) weiterzugeben und auf Kundenanfragen rasch zu reagieren.
„Es macht Spass, aber es ist ein anstrengender Weg“, sagt Radl und plaudert aus dem Nähkästchen:
• Manpower für die Community-Betreuung bereitstellen
• Redaktionsplan mindestens ein Monat im Voraus und eine neue Sprachkultur lernen
• Kommunizieren statt Werben – mehr Dialog denn je
• schnelle Reaktion zählt (mindestens 1 – 2x am Tag)
• es ist ein neuer Weg, mit Kritik und Kundenunzufriedenheit umzugehen
• es fördert die interne Sensibilisierung (Guidelines sind nötig)
• die Marke wird durch Botschaft und Inhalt erfolgreich – Authentizität ist wichtig.
hlumamanfred - 24. Mär, 16:41