Weit über 10 Prozent der Österreicher leiden an Schlafstörungen. Manche von ihnen deshalb, weil sie der Chef immer aufweckt.
Dabei ist längst erwiesen, dass ein Nickerchen zwischendurch die Leistungsfähigkeit deutlich steigert. "Inemuri", was übersetzt „anwesend sein und schlafen“ bedeutet, nennt man in Japan diese oft geübte Kurzform des Schlafens.
Unter der Bezeichnung Powernapping hat die frühere Traditions des Mittagschlafes in moderner Form auch in Österreich wieder Einzug gehalten. Der Mittagsschlaf entspricht einem natürlichen Bedürfnis des Menschen. Zugleich hat er positive Effekte: Durch einen Powernap werden Leistungsbereitschaft sowie körperliche und geistige Befindlichkeit gesteigert. Auch das Risiko von Fehlern und Unfällen am Arbeitsplatz sinkt deutlich.
Wobei in der Kürze liegt die Kraft. Um sich nach der Schlafpause wieder richtig frisch fühlen, darf man nicht zu lange wegschlummern. Ein energiebringender Mittagsschlaf sollte zwischen 10 und maximal 30 Minuten dauern. Wer länger schläft, kommt in eine Tiefschlaf-Phase und erwacht geräderter als zuvor.
Die beste Zeit für Schlafes Bruder ist nach dem Essen zwischen 12:00 und 14:00 Uhr. In diesem Abschnitt des Tages ist der Mensch am wenigsten leistungsfähig und hat ein natürliches Schlafbedürfnis.
Einfach den Kopf auf die Tischplatte legen oder sich im Bürostuhl zurücklehnen und kurz die Augen schließen, hilft. Um eben nicht zu lange zu schlafen, hat sich der Schlüsselbundtrick bewährt. Man hält die Schlüssel beim Einnicken in der Hand und wacht durch ihr Hinunterfallen rechtzeitig auf.
Das Powernapping sinnvoll ist, hat man auch bei den Fluglinien entdeckt. Die stark wechselnden Beginn- und Arbeitszeiten bedeuten für das Schlafmanagement von Linien- und Charterpiloten eine besondere Herausforderung. Und Schlafanfälle lassen sich kaum steuern.
Deshalb ist es auch bei heimischen Fluglinien den Piloten erlaubt, zwischendurch im Cockpit – angekündigt - einzunicken. Aus Sicherheitsgründen ist das nahe liegenderweise einem Reglement unterworfen. Der nappingwillige Pilot spricht das nicht nur mit seinem Partner im Cockpit, sondern auch der zuständigen Stewardess ab. Diese betritt dann das Cockpit für eine vereinbarte Zeitdauer nicht, um den eingenickten Piloten nicht aus dem Schlaf zu reissen.
Damit jedoch nicht auch der zweite Pilot in Morpheus Armen landet, muss sich dieser alle paar Minuten übers Bordtelefon bei der Stewardess melden. Fällt diese Meldung aus, eilt die Stewardess nach vorne und holt beide aus dem Reich der Träume zurück.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 30. Aug, 14:58
Die staatlich geförderte „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS), die älteste und wichtigste Sprachpflegeinstitution in der Bundesrepublik Deutschland, feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die deutsche Sprache zu vertiefen, etwa durch die Auswahl und Festlegung der schon zitierten „100 Wörter des 20. Jahrhunderts“. In der beratenden Jury agierten dazu beispielsweise die Österreicherin Sigrid Löffler, (Feuilletonchefin der Zeit), der deutscheTV-Moderator Friedrich Dieckmann, Literaturwissenschaftler oder der Rhetorik-Professor Walter Jens.
Ebenfalls von der Gesellschaft für deutsche Sprache kommen die Wörter und Unwörter sowie Sprüche des Jahres. Doch hier will sich Österreich nicht direkt anschließen und gibt es eine eigenständige Wahl des Österreichischen Worts/Unworts/Spruchs: viele der in Deutschland ausgewählten Wörter für Österreich seien einfach nicht relevant, da in Österreich andere politische Verhältnisse oder Themen während des jeweiligen Jahres wichtig und bestimmend waren, heißt es seitens der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch am Institut für Germanistik der Universität Graz unter der Federführung von Prof. Rudolf Muhr. Die Auswahl der Wörter/Unwörter/Sprüche erfolgt durch eine rein professorale Fachjury unter Beteiligung sprachinteressierter Personen via Internet mit Einbindung der Austria Presseagentur (APA).
„Gewonnen“ hat übrigens 2006 als Wort des Jahres "Penthousesozialismus“, in die engere Wahl gekommene Wörter waren: arschknapp ( Danke, Van der Bellen!), Schmollwinkerlpartei, Pflegenotstand, Teurofighter und Ortstafelverrückten.
Als Un-Wort wurde „ätschpeck“, festgelegt.
Doch auch Sprüche werden gesucht und bewertet: Das eher wenig befolgte „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!“ ist die Nummer eins auf der Positivseite, „Daham statt Islam!“ wurde zum „Un-Spruch des vergangenen Jahres gewählt.
Nicht auf den Stockerlplatz kam der originelle und von einer tiefen Wahrheit geprägte Stabreim „Wer brennend eine Fichte leckt, macht einen tollen Lichteffekt“ des Kabarettisten Gunkl.
Noch ein Wort zum den Wörtern: Die Frequenz der Nennung in den Medien hat keine Relevanz zur Auswahl: „Penthousesozialismus“ kam in den 64 ausgewerteten österreichische Zeitungen und Magazinen gerade dreimal vor, ätschpeck viermal. Problembär erschien hingegen knapp 700mal und Grundsicherung an die 2000mal. Welchen Sinn es macht, gerade unbedeutende Wortschöpfungen aufs Podest zu heben, sei dahin gestellt.
Eine deutlich größere Sinnhaftigkeit ist zweifellos die Pflege und Erhaltung sogenannter bedrohter Wörter, die im Zuge einer fortschreitenden Vereinfachung der Sprache selten bis gar nicht mehr in Verwendung sind.
Der Deutsche Kay-Uwe Rohn hatte die Idee, Wörter, die aus unserem aktiven Wortschatz herausgefallen sind, zu sammeln, im Internet auszustellen und zu erklären (www.wortmuseum.com). Rohn hat viele Sprachbegeisterten zum Mitmachen und Sammeln animiert. Auch manche Wortmuseumspoesie ist entstanden wie etwa der Bericht einer Journalistin, die ihre Lobeshymne als „maliziösen Muhme“ beginnt, die „den somnambulen Backfisch beim klandestinen Karessieren mit dem Gesinde in der Remise ertappt ...“
Auch der heurige Wettbewerb „Das bedrohte Wort“ rief bei vielen Menschen Erinnerungen an Ausdrücke wach, die man kaum noch zu hören oder lesen bekommt. Zum schönsten bedrohten Wort wurde "Kleinod" gekürt. "Das Wort steht für ein auf den ersten Blick unscheinbares Ding, das jedoch einen hohen persönlichen Wert haben kann", sagte Bodo Mrozek, Initiator des Wettbewerbs. Auf den zweiten Platz wählte die Jury, zu der auch die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse gehörte, das Adjektiv blümerant. Es bezeichnet den Zustand eines leichten Unwohlseins und leitet sich vom französischen "bleu mourant" ("sterbendes Blau") her.
Hier die gesamte Liste der zehn schönsten bedrohten Wörter der deutschen Sprache zur gelegentlichen Verwendung:
1. Kleinod
2. blümerant
3. Dreikäsehoch
4. Labsal
5. bauchpinseln
6. Augenstern
7. fernmündlich
8. Lichtspielhaus
9. hold
10. Schlüpfer
Manfred Hluma
hlumamanfred - 25. Aug, 09:49
Heute vor 47 Jahren, am 20. August 1960, gelang es erstmals, ins All geschossene Lebewesen wieder wohlbehalten auf die Erde zurückzubringen. Konkret waren es die Hunde „Strelka“ und „Belka“, die an Bord von Sputnik 5 nach 18 Umkreisungen sicher auf der Erde aufsetzten. Das war der entscheidende Schritt für die Technik der weichen Landung in der bemannten Raumfahrt.
Von den Hunden zu den Menschen im All war es nur ein kurzer Schritt. Schon am 12. April 1961 umkreiste Juri Gagarin - mit dem Sputnik-Nachfolgemodell Wostok als erster Mensch die Erde. Die USA schickten wenige Wochen später, am 5. Mai 1961, im Rahmen des Mercury-Programms Alan Shepard auf einen 16-minütigen Raumflug.
Es ging Schlag auf Schlag weiter: 1969, nicht einmal 70 Jahren nach dem ersten Motorflug der Brüder Wright im Jahr 1903, landeten Menschen erstmals auf dem Mond.
Inzwischen sind die ersten Raumstationen schon wieder verschrottet (Saljut, Skylab und Mir), die 1998 begonnene ISS wächst hingegen deutlich weiter. Der Weltraumtourismus hat bereits begonnen: für rund 16 bis 19 Millionen Euro pro Kopf sind eine Handvoll reicher Zivilisten – darunter auch eine Frau – zur ISS gereist.
Künftig könnte es billiger werden: Die EADS-Tochterfirma Astrium will den US-Amerikanern und Russen beim Weltraumtourismus Konkurrenz machen. Astrium stellte kürzlich das Konzept eines neuen Raumfahrzeuges vor, das bis zu vier Fluggäste auf eine Höhe von 100 Kilometern über der Erde bringen und dort drei Minuten in der Schwerelosigkeit schweben soll. Der erste Ausflug ist für 2012 geplant und die Kosten sollen bei 150.000 bis 200.000 Euro pro Fluggast liegen.
Auch die ersten Weltraum-Hotels sind bereits angekündigt.
Doch zurück zum Beginn, der Sputnik-Ära. Der ehrenwerten „Gesellschaft für Deutsche Sprache“ war dieser Durchbruch in Zusammenarbeit mit einer Fachjury wert, das Wort „Sputnik“ in die Liste der „100 Wörter des 20. Jahrhunderts“ aufzunehmen. Diese sind eine Sammlung Wörter, die als für das zwanzigste Jahrhundert besonders bezeichnend angesehen werden.
Dort steht Sputnik nun in einer Liste mit beispielsweise Blockwart, Doping, Sex, Klimakatastrophe, Kreditkarte und Kugelschreiber. Wie es zu einer solchen Liste kommt sowie über Unworte und den Schutz bedrohter Wörter lesen Sie in Kürze.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 20. Aug, 17:03
Kennen Sie das? Es ist Montag vormittag, man sitzt frisch und gut gelaunt am Schreibtisch und im Radio jammert der Moderator über den schweren Start in die Arbeitswoche. Aber die gute Nachricht sei ja, dass am Mittwoch sowieso ein Feiertag und damit das Warten aufs Wochenende angenehm verkürzt ist. Was denken sich diese Plappermäuler eigentlich, dass Arbeitszeit automatisch mit Leid gleichzusetzen ist?
Dabei sind Radiomoderatoren, die auch an anderen Tagen immer wieder auf den baldigen Feierabend hinweisen - was soll man eigentlich jeden Abend feiern? –, selbst eine Berufsgruppe mit 24 Stunden Dienst an 365 Tagen.
„Diese unsägliche Idealisierung der Freizeit geht mir ziemlich auf die Nerven“, klagte kürzlich der Managementberater Andreas Salcher, Gründer des Elite-Treffens „Waldzell Meeting“ bei einem Vortrag im Österreichischen Marketingclub und sprach von einem „Terrorregime von Freizeitpredigern“.
Denn dass die Mehrzahl der Menschen in Österreich eigentlich ganz gerne und ohne Widerwillen arbeitet, merkt man im täglichen Umgang. Griesgrämige Gesichter und „Management by Robinson“, nämlich das Warten auf Freitag, kommen zwar auch vor (ganz stark auf Postämtern), sind aber eher die Ausnahme.
Zur guten Laune trägt möglicherweise auch bei, dass wir im Schnitt sowieso immer weniger arbeiten. Die unmenschliche 72-Stunden-Woche gab es 1875. Um 1900 schuftete man noch 60 Stunden an sechs Tagen.
1959 trat die 45-Stunden-Woche in Kraft. Die 40-Stunden-Woche und der 8-Stunden-Tag sind drei Jahrzehnten alt. Bis 1965 betrug der Mindesturlaub übrigens nur zwei Wochen, heute sind es fünf.
Nicht zuletzt dank der medizinischen Fortschritte werden wir immer älter, deshalb verkürzt sich die Lebensarbeitszeit sich im Verhältnis zur Lebenserwartung überdeutlich.
1995 betrug die Lebensarbeitszeit von Männern in Europa im Schnitt 35 Jahre bei einer Lebenserwartung von 76 Jahren. 1960 machte die Lebensarbeitszeit noch 50 Jahre bei einer Lebenserwartung von nur 68 Jahren aus. Das bedeutet einen satten Anstieg von 18 auf 41 Jahre arbeitsfreier Lebenszeit!
Und wenn man es sich von den Freizeitpredigern nicht ausreden lässt, stellt die Arbeit einen bedeutenden und durchaus sinnhaften Teil unseres Lebens dar. Der alte Spruch "Besser Stress in der Freizeit als Langeweile in der Arbeit“ stimmt schon lange nicht mehr.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 14. Aug, 15:02
Spätestens seit deutsche Nachbarn auch den österreichischen Arbeitsmarkt und speziell die Medizinuniversitäten stürmen, verstehen Alpenrepublikaner die Welt nicht mehr. Jedenfalls die deutsche nicht.
Denn viele Phrasen der deutsch-deutschen Alltagssprache klingen für österreichische Ohren skurril.
Oder wissen Sie, was „Ich hab den Kaffee auf!" bedeutet? Wenn Sie damit „einer Sache überdrüssig sein“ oder „keine Lust mehr haben“ in Verbindung gebracht haben, herzliche Gratulation!
Weil wir gerade beim diesem Thema sind. Deutsche Gastgeberinnen kündigen zwar oft „Ich mach´uns jetzt mal einen schönen Kaffee“ an, was dann auf den Tisch kommt, ist jedoch oft nur „Schwerter-Kaffee“ (so dünn, dass man die Schwerter des Porzellanherstellers Lilienthal am Tassenboden sehen kann). Tja, das mit dem Kaffee kriegen viele Deutschen eben oft „nicht auf die Reihe“, man kann ja nicht alles schaffen.
Dafür bemüht man sich in der - laut deutschen Medien immer permanent von Krisen geschüttelten - BRD tierisch, diese zu bewältigen: "Wir holen auch schon mal die Kuh vom Eis, wenn es sein muss" oder "Auf einer Krisensitzung wurde überlegt, wie die Kuh vom Eis zu holen sei“ sind gängige Ausdrücke , wenn Bundesdeutsche nach Lösungen suchen.
Manche Probleme tauchen aber gar nicht erst auf, speziell wenn man Einwände oder Umstände einfach „außen vor lässt“. Doch auch wenn Dinge unberücksichtigt bleiben, kann es passieren, dass man etwas „nicht gebacken kriegt“. Oder umgekehrt: "Endlich haben wir es mal gebacken gekriegt, ein ordentliches Skat-Turnier zu organisieren". Und wenn man etwas geschafft hat, da kann man dann schon „dicke Backen machen“ und damit auftrumpfen. Allerdings wird diese Redewendung auch umgekehrt eingesetzt (für überfordert sein oder schwach werden).
Weil wir schon bei den Backen sind, den Allerwertesten lassen die Deutschen in ihrer Umgangssprache natürlich nicht außen vor. Wenn „einer wütend wird“ und „die Platze kriegt“, dann knallt er seinem Gegner einfach ein vernichtendes „Das geht mir am Arsch vorbei“ auf den Tisch. Sollte der dann „keinen Arsch in der Hose haben“ oder „Eisbeine kriegen“, ist er eben zu feige und zu schwach. Und damit ist die Sache dann wohl gegessen.
Sollte Ihnen jemand übrigens nicht glauben wollen, das ein „gespaltener Arsch“ absolut nichts Ungewöhnliches ist (nämlich die Gleichverteilung aller Punkte beim Skat), dann „braten Sie sich ein Ei drauf“, schließlich muss man sich ja nicht immer von Vorwürfen stören lassen, sondern kann sie auch ignorieren.
Das Leben ist schließlich auch so anstrengend genug. Bevor Sie aus Überarbeitung total erschöpft und „völlig von der Rolle sind“ halten Sie „den Ball flach“, üben Sie Zurückhaltung und regen Sie sich nicht unnötig auf. Machen Sie sich lieber „einen Bunten“, faulenzen Sie und genießen Sie das Leben.
Beispielsweise auf einer netten Almhütte, wo Sie nach diesem Blitzkurs in Deutsch-Deutsch ein bisschen angeben und spendabel „einen auf dicke Hose machen“ können, indem Sie eine Runde Schnaps für die deutsche Freunde bestellen. Die tun sich mit österreichischen Ausdrücken sicher auch nicht leicht. „Hoast mi?“
Manfred Hluma
hlumamanfred - 10. Aug, 11:33
Das vertraute Klappern der Hufeisen in der Wiener Innenstadt soll verschwinden. Dabei gehört Klappern zum Handwerk. Politiker wissen das und Ursula Stenzel, frühere ORF-Sprecherin, dann EU-Abgeordnete und jetzt umstrittene Wiener Bezirkschefin der Inneren Stadt, erst recht. Und seit sie dort im Amt ist, klappert sie dauernd: für mehr Ruhe in der Stadt, gegen die Schanigärten, gegen die Punschstände am Stephansplatz, gegen zuviel Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ....
Jetzt sind die Fiaker dran. Weil die Pferde mit den Hufeisen den Asphalt mehr ruinieren als andere Benutzer, sollen sie künftig mit Kunststoff statt Eisen beschlagen werden.
Laut Stenzel kostet die Sanierung der 20 Fiaker-Routen, die durch die Wiener Innenstadt führen, fünf bis sechs Millionen Euro und der Bezirk habe dafür kein Geld. Wer weiß, vielleicht dringt das Klappern der schwarzen Ursula aus dem Alten Rathaus ja bis zum roten Michael im großen Rathaus und er greift in die Budgettasche.
Denn ein Wien ohne Fiaker wäre ja wirklich wie Gulasch ohne Saft. Um 1790 gab es etwa 700, in ihrer Glanzzeit zwischen1860 und 1908 sogar über 1000 Fiaker. Die Fiaker waren die Vorläufer der Taxifahrer: Wenn die Schrammeln spielten, standen oft an die 300 Fiaker vor dem Lokal.
Die Kutscher waren oft stadtbekannte Originale. So mancher hatte auch eine gute Stimme und begann, selbst vor dem Publikum zu singen: beispielsweise der legendäre Josef Bratfisch, der Leibfiaker von Kronprinz Rudolf. Er wurde, weil er ziemlich dick war, "Nockerl" genannt.
Auch andere Fiaker hatten Spitznamen. Meist beschrieb man damit ihr Aussehen: der "Hungerl" (er hieß eigentlich Karl Mayerhofer) hatte den Namen von seinem mageren Cousin geerbt, der "Rote mit der Fliegen" wurde wegen seiner roten Haare so genannt. Berühmt waren der alljährliche Fiakerball am Aschermittwoch) und die Sängerin "Fiakermilli", der Richard Strauss in der Oper "Arabella" ein Denkmal setzte.
So richtig lustig ist das Fiakerleben, für das man seit 1998 auch eine „Fahrdienstprüfung“ ablegen muss, inzwischen ja nun wirklich nicht mehr. Abgesehen von Konkurrenz und Wind und Wetter nerven die Fiaker immer neue Forderungen wie beispielsweise jene nach der Einführung von – wie es im Magistratsdeutsch heißt – „Kotauffangvorrichtungen“, damit die Rossknödel (jawohl, nach Karl Valentin ohne „n“) nicht herumkugeln. Wer weiß, ob nicht deren chemische Zusammensetzung auch zur Schädigung des Asphalts beitragen. Wenn die Pferderln dann noch „abstrahlen“, da kann der beste Strassenbelag sauer werden....
Und jetzt auch Plastik-Hufeisen. Dann doch lieber gleich Galoschen für die „harb´n Rappen“. Und außerdem Stöckelschuh-, Gehstock- und Krückenverbot in der Inneren Stadt, dem Asphalt zuliebe.
Bevor die Lohnkutscher jedoch endgültig das altbekannte „Stellt´s meine Ross in Stall“ anstimmen, sollte man in Anlehnung an „Rettet den Stephansdom“ nun „Rettet die Fiaker“ gründen. Kleinspender erhalten jeweils ein Sackerl Pferdemist (ideal zum Rosendüngen), Großspender das „Große Hufeisen am gelben Band“. Und Ursula Stenzel einen Maulsack.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 8. Aug, 11:36
Hassen Sie Schlangestehen auch?
Einkaufen im Supermarkt: drei Menschen am Fleischstand, vier bei der Wurst („Ja, gaanz dünn schneiden und schön auflegen, bitte!“), sechs an der Brotausgabe und an der Kasse nur fünf, dafür hat einer vergessen, die Äpfel abzuwiegen. Dauert ja nur zwei weitere Minuten, bis er zurückgelaufen ist und das erledigt hat, während alle anderen warten müssen. Die halbe Mittagspause geht so locker drauf.
Arztbesuche lasse ich hier weg, die dort vergeudete Wartezeit ist eigentlich gesundheitsschädigend, und um die Anstellerei auf den Flughäfen kommt man ohne Privatjet halt nicht herum.
Absolut penetrant wird es aber, wenn man in der als Vielarbeiter mühsam abgesparten Freizeit wieder warten soll. Und einiges deutet darauf hin.
„Die Menschen werden in Zukunft vor Konzertkassen, Museen und Kunstausstellungen Schlange stehen wie die Nachkriegsgeneration vor Lebensmittelläden“, prognostizierte das deutsche BAT Freizeit-Forschungsinstitut im Jahr 1992. Jetzt ist es Realität. Seit Ende Mai stehen beispielsweise täglich bis zu 5.000 Besucher Schlange vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Und wer die – wenn man einmal oben ist zugegebenermaßen grandiose - Reichstagskuppel besuchen will, darf sich freuen, wenn er weniger als eine halbe bis dreiviertel Stunde anstehen muss.
Wie ein gerade veröffentlichte neue Repräsentativbefragung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen zeigt, wird die inszenierte Massenkultur deutlich zunehmen: „Der Interessenschwerpunkt speziell der Jüngeren verlagert sich immer mehr auf spezielle Angebote der Eventkultur mit dem Charakter des Außergewöhnlichen“.
Museen, Musikfestivals und Open-Air-Konzerte liegen voll im Trend. „Immer mehr Städte und Regionen gehen dazu über, einen eigenen Kultursommer zu kreieren, eine Art fünfte Jahreszeit für Städtetouristen und Daheimurlauber“, so Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung. „Exklusive Sonderausstellungen in Museen und Galerien machen den Besuch zum gesellschaftlichen Ereignis. Ein ‚Muss’ für viele. ‚Man’ geht eben hin“. Die Kulturszene wird zur Eventkultur, über welche die Medien bereits ausführlich berichten, bevor die Veranstaltungen überhaupt stattgefunden haben.
„Der massentouristische Ansturm bleibt nicht aus“, schreiben die BAT-Studie-Autoren, „Die Hochkultur bekommt Züge von Massenkultur.“ Und damit heißt es erneut Schlangestehen.
Der Trend ist auch in Österreich eindeutig erkennbar.
336.800 Museumsbesucher lockte die letzte „Lange Nacht der Museen“ in ganz Österreich an, davon allein 174.100 Besucherinnen und Besucher in Wien.
Über 300.000 Besucher zählte die im Jänner 2007 zuende gegangene Picasso-Ausstellung, die Albrecht Dürer-Ausstellung im Herbst 2003 konnte 430.000 Besuchern nur drei Monaten verbuchen. Auch damals war die Warteschlange lang.
Und das verleidet vielen den Genuß. Ich würde mir jedenfalls eine Jahreskarte des Museums kaufen, das mit einem zeitgemäßen Besucherkonzept aufwartet. In dem man beispielsweise bei Espresso und Prosecco entspannt im Ausstellungskatalog blättert, bis der Aufruf kommt: „Herr Hluma, jetzt zur Ausstellung bitte“.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 3. Aug, 13:22
Die Internet-Kunstwelt „Second Life“ könnte vom Aussterben bedroht sein, der Hype um die virtuelle Welt der Betreiberfirma Linden Lab (http://www.lindenlab.com) vielleicht schon bald Geschichte.
Immer mehr Firmen schließen ihre Präsenz in der virtuellen Welt Second Life (SL). Von vereinsamten Unternehmens-Inseln und leeren und Auslagen berichten SL-Welten-Wanderer. Prominente Beispiele sind der Computerhersteller Dell, der seine Insel ebenso aufgab wie die Hotelkette Starwood. Auch die Nutzerzahlen sanken in den letzten Monaten und das Wachstum der Population insgesamt erreichte im Juni das niedrigste Niveau der vergangenen sechs Monate.
Offen ist, ob es sich nur um eine vorübergehende Flaute oder doch eher um das Ende der Second Life-Hysterie handelt. Jedenfalls wird allmählich deutlich, dass diese virtuelle Welt nicht das hält was sich Besucher und Betreiber erhofft haben.
Und während man in der Wiener Szene vor wenigen Monaten noch begeistert die SL-Avatar-Namen weitergab – manche zierten sogar die Visitkarten –, ist die Begeisterung weitgehend verschwunden. Die Kundenanfragen nach Second Life seien deutlich zurückgegangen, berichten einschlägigen Agenturen. Zum Abflauen der Euphorie hätten auch negative Meldungen über Kinderpornografie und Produktpiraterie beigetragen (in der BRD gab es in diesem Zusammenhang sogar Verhaftungen).
Doch frei nach dem Motto „Da muss man durch“ lassen sich viele Firmen nicht entmutigen. Adidas beispielsweise verkauft im SL 2700 Paar – reale – Schuhe im Monat und will weitermachen. Mercedes Benz bietet den SL-Avataren auch weiterhin eine Teststrecke mit allen Wetterverhältnissen, auf die C-Klasse virtuell getest werden kann.
Derzeit sind bei Second Life rund 5,2 Millionen User registriert, davon sind rund 700.000 inaktiv und dürften demnächst gelöscht werden. Rund 2,6 Mrd. Linden-Dollar, der SL-Währung, sind in der virtuellen Welt in Umlauf (etwa sieben Millionen Euro).
Aber es gibt eine virtuelle Völkerwanderung, der manche Unternehmen folgen. IBM ist inzwischen in „Entropia Universe“ (www.entropiauniverse.com) angesiedelt und „There“ (www.there.com) aktiv. Entropia Universe wird vom schwedischen 3D-Spezialisten Mindark (www.mindark.com) betrieben und seit dem Start 2003 haben sich 580.000 Nutzer registriert. „There“ hat laut eigenen Angaben rund eine Million Mitglieder. Betreiber ist das in Silicon Valley angesiedelte Unternehmen Makena Technologies.
Absolut jugendfrei ist jedenfalls „papermint“, ein österreichisches Gegenstück zu Second Life, das in einem aufgelassenen Kino in Wien-Hütteldorf entwickelt wurde (www.papermint.at). Papiermünzen sind die interne Währung in Papermint, je nach Kaufmenge kosten sie zwischen 5 und 7 Cent. Diese benötigt man unter anderem, um stets einem ausreichenden Vorrat an Minze parat zu haben, mit dem ein so genannter „Wobbel“, ein ständiger Begleiter des gewählten Avatars, gefüttert werden muss, damit er sein Gedächtnis behält. Während das Spiel an sich gratis ist, muss man beispielsweise für die Wohnungseinrichtung oder pfiffiges Gewand bezahlen.
Manfred Hluma
hlumamanfred - 1. Aug, 17:16