Sonntag, 5. Oktober 2008

„Tag des Eselführerscheins“ oder „Von der Inflation der Tage“

Stehen Sie manchmal in der Früh auf und fragen sich, was für ein Tag denn heute ist? Nein, nicht der Wochentag, den weiß man ja meistens – außer die abendliche Feier mit den russischen Geschäftspartnern war vielleicht zu heftig oder man hat gerade einen Langstreckenflug hinter sich.
Vielmehr ist inzwischen fast jeder Tag irgendein Tag für irgendetwas.
Heute zum Beispiel war der „Tag der Lehrer“, gestern der „Welttierschutztag“. Morgen, am 6. Oktober, ist der „Welttag des Wohn- und Siedlungswesens“ (Habitat-Tag). Und es geht tagemäßig flott weiter. Am 8. Oktober wird der „Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung“ abgehalten, tags darauf folgt der „Tag des Weltpostvereins“.
Und wieder 24 Stunden später ist der „Welteitag“ ausgerufen.
Denselben Tag haben einige österreichische Hilfs-, Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen zum landesweiten „Tag des Bleiberechts" erklärt.
Am 15. Oktober findet dann der „Tag des Kalenders“ statt.

Knapp hinter uns liegen beispielsweise der „Tag des Sports“, der „Internationale Tag der Brustkresvorsorge“ und der „Tag des Denkmals“, Österreichs Beitrag zu den European Heritage Days, die 1991 auf Initiative des Europarates unter Mitwirkung der Europäischen Union begründet wurden.
Viele der bestimmten Themen gewidmeten Tage haben lange Tradition. So ist etwa der „Tag des Kindes“ eine Erfindung der Kinderfreunde aus den frühen 30er-Jahren.
In den frühen 50er-Jahren griff die UNO diese Idee auf: Ein Tag, an dem Kinder, ihre Sorgen und ihre Rechte im Mittelpunkt stehen sollen. 1954 proklamierte die UNICEF dann den 20. November als „Universal children’s day“.
Diese und andere internationale Organisationen haben inzwischen eine Unmenge an speziellen Tagen ins Leben gerufen. International sind auch der „Tag des Windes“, der „Tag des Mannes“, der „Tag des Lärms“ und der „Tag des Schlafes“.
Diese Inflation an Thementagen wird von der Wirtschaft und emsigen Veranstaltern weiter angeheizt.

Der „Tag des Kaffees“ wiederum wurde vom österreichischen Kaffee- und Tee-Verband proklamiert, natürlich gibt es auch einen „Tag des Tees“.
Der „Tag des Friedhofs“ ist eine bundesweite Initiative der Friedhofsgärtner, Bestatter, Steinmetzen, Floristen, der Städte und Kommunen sowie der Friedhofsverwaltungen. Die heimischen Kirchen begehen den „Tag des Judentums“.
Hier noch eine lose und garantiert nicht vollständige Auszählung weiterer Tage, die irgendjemand eingefallen sind:
„Tag des Passivhauses“ (IG Passivhaus Österreich), „Tag des Erdapfels“ (AMA, „Tag des Halstuchs“ (Pfadfinder), „Tag des öffentlichen Verkehrs“ (ÖBB mit dem Verkehrsverbund VOR), „Tag des weißen Stocks" (Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband), „Tag des Honigs“, „Tag des Salzburger Films", „Tag des Stettner Weines“, „Tag des steirischen Weines“. Am skurrilsten ist bisher der „Tag des Eselführerscheins“, den die Eselkoppel in Rantenberg heuer im August abhielt.
Doch noch bietet sich ein weites Feld neuer Tage an: es fehlen eindeutig noch der „Tag der Unterhose“, „Der Tag der Höhlenforscher“ und „Der Tag der Schuheinlagen“….

Manfred Hluma


Spezielle Tage, die von Internationalen Organisationen ins Leben gerufen wurden im Überblick:

27. Januar: Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
28 Januar: Welt-Lepra-Tag
28. Januar: Tag des Datenschutzes

20. Februar: Welttag der sozialen Gerechtigkeit (erstmals 2009)
21. Februar: Internationaler Tag der Muttersprache

8. März: Internationaler Tag der Frau
21. März: Internationaler Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung
21. März: Welttag der Poesie
21. März: Internationaler Tag des Waldes
22. März: Weltwassertag
23. März: Welttag der Meteorologie
24. März: Welt-Tuberkulose-Tag
25. März: Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels

2. April: Welttag der Aufklärung über Autismus
4. April: Internationaler Tag zur Aufklärung über die Minengefahr
7. April: Weltgesundheitstag
23. April: Welttag des Buches und des Urheberrechts
26. April: Welttag des geistigen Eigentums

3. Mai: Welttag der Pressefreiheit
8. und 9. Mai: Tage des Gedenkens und der Versöhnung für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
15. Mai: Internationaler Tag der Familie
17. Mai: Weltfernmeldetag
17. Mai: Welttag der Informationsgesellschaft
21. Mai: Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung
22. Mai: Internationaler Tag der biologischen Vielfalt
29. Mai: Internationaler Tag der Friedenssicherungskräfte der Vereinten Nationen
31. Mai: Weltnichtrauchertag

1. Juni: Welt-Bauerntag
4. Juni: Internationaler Tag der Kinder, die unschuldig zu Aggressionsopfern geworden sind
5. Juni: Weltumwelttag
17. Juni: Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre
20. Juni: Weltflüchtlingstag
23. Juni: Tag des öffentlichen Dienstes
26. Juni: Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch
26. Juni: Internationaler Tag zur Unterstützung der Opfer der Folter


5. Juli : Internationaler Tag der Genossenschaften
11. Juli: Weltbevölkerungstag

9. August: Internationaler Tag der indigenen Bevölkerungen der Welt
12. August: Internationaler Tag der Jugend
23. August: Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung

8. September: Weltalphabetisierungstag
15. September: Internationaler Tag der Demokratie
16. September: Internationaler Tag für die Erhaltung der Ozonschicht
20. September: Weltkindertag
21. September: Internationaler Friedenstag
27. September: Welttourismustag
28. September: Tag des Flüchtlings

1. Oktober: Internationaler Tag der älteren Menschen
2. Oktober: Internationaler Tag der Gewaltlosigkeit
4. Oktober: Welttierschutztag
5. Oktober: Internationaler Tag des Lehrers
6. Oktober: Welttag des Wohn- und Siedlungswesens (Habitat-Tag)
8. Oktober: Internationaler Tag der Katastrophenvorbeugung
9. Oktober: Tag des Weltpostvereins
10. Oktober: Welttag der geistigen Gesundheit
15. Oktober: Internationaler Tag der Frauen in ländlichen Gebieten
16. Oktober: Welternährungstag
17. Oktober: Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
24. Oktober: Tag der Vereinten Nationen
24. Oktober: Welttag der Information über Entwicklungsfragen

6. November: Internationaler Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten
14. November: Weltdiabetestag
16. November: Internationaler Tag der Toleranz
16. November: Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer
20. November: Tag der Industrialisierung Afrikas
20. November: Weltkindertag
21. November: Welttag des Fernsehens
25. November: Internationaler Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen
29. November: Internationaler Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk

1. Dezember: Welt-AIDS-Tag
2. Dezember: Internationaler Tag für die Abschaffung der Sklaverei
3. Dezember: Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen
5. Dezember: Internationaler Tag der Freiwilligen für wirtschaftliche und soziale Entwicklung
7. Dezember: Tag der Internationalen Zivilluftfahrt
9. Dezember: Internationaler Tag gegen die Korruption
10. Dezember: Tag der Menschenrechte
11. Dezember: Internationaler Tag der Berge
18. Dezember: Internationaler Tag der Migranten
19. Dezember: Tag der Vereinten Nationen für die Süd-Süd-Zusammenarbeit
20. Dezember: Internationaler Tag der menschlichen Solidarität
29. Dezember: Internationaler Tag für biologische Vielfalt

Sonntag, 7. September 2008

„Von der B-Gesellschaft“ oder „Freiheit für die Nachteulen (2)“

Camilla Kring, die sich selbst zu den „Nachteulen“ zählt, ist es gelungen, die dänische Tochterfirma des US-Pharmariesen Abbott Laboratories zu einem Umdenken zu bewegen. „Das Denken in sturen Arbeitszeitschemen hat sich überlebt“, sagt Abbott-Chef Alexander Würfel. Bei internen Umfragen hatte sich herausgestellt, dass nur knapp 40 Prozent der Belegschaft mit der früher geltenden Arbeitszeitregelung zufrieden waren. Zwar hatte die Belegschaft theoretisch eine 37-Stunden-Woche, doch meist konnte die anstehende Arbeit in dieser Zeit nicht erledigt werden.
„Wir mussten etwas unternehmen“, blickt Würfel zurück. Die Kopenhagener Filiale des Pharma-Riesen war bereit, einen Ausweg aus der Bürotretmühle zu suchen.
Damit begann man 2006. Camilla Kring hielt in einem Lagerschuppen, der den Mitarbeitern als neuer Firmensitz präsentiert wurde – „mit den skandinavischen Stilmitteln, etwas Holz, viele Farbe (Zitat Wirtschaftsmagazin „Brand eins“) – plötzlich „Work-Life-Balance“-Seminare ab.
Fazit: es machte sich schon nach kürzester Zeit dort Aufbruchsstimmung breit, weil endlich jemand das Thema „Zeitmanagement“ ansprach. In zahlreichen Seminaren checkte Kring, welche Arbeitszeitbedürfnisse die Menschen tatsächlich hatten. Nach anfänglicher Skepsis, da man tatsächlich in Listen aufschlüsseln musste, wie die persönlichen Leistungskurven und die Tagesrythmen samt Prioritäten sind, traten die ersten Veränderungen ein.
Beeindrucken sei gewesen, so Abbott-Geschäftsführer Würfel, dass trotz Beibehaltung einer Kernarbeitszeit die Mitarbeiter es plötzlich schätzten, sich bestimmte kleine Freiheiten nehmen zu können. Ohne dass dabei die Produktivität litt. Ende 2007 waren bereits mehr als drei Viertel der Belegschaft deutlicher zufrieden, weil es für sie leichter geworden war, persönliche Erledigungen formloser als zuvor durchführen zu können. Er selbst als ein B-Typ unterstützt inzwischen auch die dänische B-Gesellschaft. Camilla Kring wiederum arbeitet an einer interaktiven Google-Landkarte, mit der man dann B-Einrichtungen in aller Welt leichter finden kann. Seien es Kindergärten oder Zahnärzte, Arbeitgeber oder Geschäfte. Jedenfalls Einrichtungen für Menschen, die eben ein kleines Stück „zeitversetzt“ als die anderen sind und auch so arbeiten oder konsumieren wollen.

Manfred Hluma

Mittwoch, 27. August 2008

„Von der B-Gesellschaft“ oder „Freiheit für die Nachteulen (1)“

Die Tatsache ist bekannt: Ein Teil der Menschen springt in den Morgenstunden frisch und aktiv aus den Federn, bei einem anderen scheint das Bett Krallen zu haben.
Längst hat auch die Wissenschaft festgestellt, dass es „Morgenvögel“ und „Nachteulen“ gibt, deren biologische Phasen um etwa drei Stunden verschoben sind. Zu den genetisch aufgeweckten sogenannten A-Menschen zählen etwa zehn bis 15 Prozent, zu den „Langschläfern“, die erst später arbeiten wollen – oder können - bis zu 25 Prozent sogenannter B-Menschen.
Die Arbeitswelt nimmt darauf allerdings kaum Rücksicht. Und so arbeitet bis zu einem Viertel der Belegschaft in vielen Betrieben viele Stunden ineffizient, weil es in Wahrheit noch schlafwandelt.

„Wir müssen von den starren Zeitmustern endlich abkehren und die Menschen zu Zeiten arbeiten lassen, in denen auch ihr Gehirn funktioniert“, predigt Camilla Kring, eine dänische Unternehmensberaterin, die es mit ihren Thesen nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch Industriebetriebe zum Umdenken gebracht hat. Sie ist Gründerin der dänischen „B-Gesellschaft“ und will mit der Umsetzung ihres Modells der Arbeitswelt jene Energien zuführen, die in den Mitarbeitern schlummern, die aufgrund für sie schlechter Arbeitszeiten in den morgendlichen Arbeitsstunden in einer Art Dämmerzustand sind
Angesprochen sind dabei die B-Menschen, denen der gleichgeschaltete Büroalltag ab acht oder neun Uhr morgens ein Greuel ist. Binnen eines Jahres schlossen sich bereits über 7000 Gleichgesinnte in Dänemark und einigen Nachbarländern der „Widerstandsbewegung“ an.

Im Hintergrund steht der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft.
„Wir können noch viel effektiver werden, wenn wir aus dem Arbeitstag, wie wir ihn jetzt kennen, aussteigen und die Menschen zu Zeiten kreativ sein lassen, zu denen ihr Gehirn wirklich auf Touren ist“. Die Arbeitszeiten dogmatisch von 8 bis 16 oder von 9 bis 17 Uhr festzulegen, verhindere das Leistungspotential der B-Gesellschaft auszuschöpfen. Was betriebswirtschaftlich eine Verschwendung ist.

Betriebliche Vereinbarungen wie „Gleitzeit“ und „Flex-Zeit“ oder ähnliches würden nicht wirklich funktionieren, meint Kring. Noch immer seien starre Arbeitszeitschemen zu sehr in den Köpfen verankert, der beste Beweis dafür seien die alltäglichen Verkehrsstaus am Morgen und am Abend.
In Kreativberufen werde es noch am ehesten akzeptiert, dass manche Menschen außerhalb des Zeitschemas die besten Ideen haben. Doch selbst in Werbeagenturen wollen die Chefs die Mitarbeiter bei der Arbeit sehen. Und wer trotz einwandfreier Arbeit selten im Büro ist, hat wenig Chancen auf Managementpositionen.
Dabei sind auch medizinische Nebenwirkungen durch den Zwang zur Arbeit oder zum Lernen in der Schule zum falschen Zeitpunkt und den dadurch entstehenden Stress und Schlafentzug längst bekannt.
Für viele Menschen läuft der Zeitdrill genau entgegen ihrer eigenen biologischen Uhr. Grantige Lehrer und schlechtgelaunte Schüler sind ein Beispiel dafür, Mitarbeiter, denen beim vormittäglichen Strategiemeeting absolut nichts Kreatives einfällt, ein anderes.
Camilla Kring, deklarierter B-Mensch und studierte Physikerin, belässt es jedoch nicht bei Deklarationen. Inzwischen zur Unternehmensberaterin mutiert, bewegt sie Industriebetriebe zu Veränderungen im Zeit-Management. Mehr darüber in Kürze.
Manfred Hluma

Mittwoch, 6. August 2008

„Belügt sich die Freizeitindustrie?“ oder „Die schwarze Liste der Freizeitaktivitäten“

Zwar versuchen Werbung und Medien das Bild einer flotten und dynamischen Gesellschaft zu vermitteln, die verschiedenen Trend-Sportarten frönt, doch die Realität sieht anders aus: Fernsehen, Telefonieren, Radio hören und Zeitung lesen gehören seit Jahrzehnten zu den am häufigsten ausgeübten Freizeitaktivitäten der Deutschen, ergab eine aktuelle Untersuchung der Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco, die wohl auch in Österreich Gültigkeit hat.

Erstmals wurden in der Studie die Konsumenten jedoch auch befragt, welche Freizeitbeschäftigungen sie niemals ausüben. Dafür wurden 3.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ gefragt, wie häufig sie welche Freizeitaktivitäten ausüben. Die neunstufige Skala reichte hierbei von „täglich“ bis zu „niemals“. Herausgekommen ist dabei eine „Schwarze Top 10 Liste“ der niemals ausgeübten Freizeitbeschäftigungen.

Die Mehrheit der Befragten gibt dabei an, eine Vielzahl von interessant und beliebt geglaubten Aktivitäten wie Golfspielen (92%), Wellness (54%) oder Camping (75%) niemals auszuüben. Der Besuch von Spielhallen (86%), Musikkonzerten (61%) oder Fitnessstudios (75%) findet für die meisten Konsumenten ebenso wenig statt wie Joggen (68%) oder Musizieren (78%).

Bemerkenswert ist, dass trotz Computerzeitalter Onlineshopping (59%) und Videospiele (74%) von Mehrheiten nicht akzeptiert werden. Auch Handarbeiten üben 62 Prozent nicht aus – die Strick- und Häkelrunden sterben aus.

Dass für 66 Prozent Stammtischbesuche kein Thema sind, dürfte wohl an der Zusammensetzung der Befragten liegen – Jugendliche und Frauen sind tendenziell eher kein Stammtisch-Publikum. Hätte man nur Männer befragt, wäre das Ergebnis wohl anders.

In der Top 10-Liste BAT-Umfrage taucht übrigens Skifahren nicht auf. Wohl deshalb, weil die Deutschen in ihrer Gesamtheit eben keine Skifahrernation sind. Interessant wäre hier eine vergleichbare Zahl aus Österreich.

Dokumentiert ist allerdings aus anderen Befragungen in der Alpenrepublik, dass die Zahl der Alpinskifahrer stagniert bis rückläufig ist. Und die Kosten für einen Ski-Urlaub in heimischen Regionen sind für immer mehr Konsumenten nicht im Haushaltsbudget unterzubringen.

Doch unabhängig davon sollte die Zahlen den Strategen der Freizeit-Industrie generell zu denken geben, denn die Ergebnisse überraschen nur auf den ersten Blick: „Die Überalterung der deutschen Gesellschaft und die ungelösten wirtschaftlichen Probleme schlagen sich zunehmend auch auf die Freizeitaktivitäten nieder“, analysiert Professor Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der BAT Stiftung. „Mit steigendem Alter nehmen außerhäusliche aktive Freizeitbeschäftigungen schrittweise ab und innerhäusliche passive Beschäftigungen zu. Zudem müssen immer mehr Menschen beim Freizeitbudget sparen und können sich viele Angebote nicht mehr leisten“, so der Wissenschaftler weiter.

Massive steigende Reisekosten – Stichworte Benzin- und Kerosinpreise – und parallel dazu deutlich steigende Lebenshaltungskosten - Stichworte Lebensmittel und Wohnen - führen zwangsläufig zu schmäleren Budgets für Freizeit-Aktivitäten.

Für die Zukunft der Freizeitaktivitäten prognostiziert die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen ein zweigeteiltes Bild: Einerseits werden die älteren und die ärmeren Bevölkerungsschichten in Deutschland viele Freizeitbereiche in Deutschland prägen. Hiervon profitieren dann vor allem Medien und kostengünstige Freizeitbeschäftigungen. „Andererseits wollen die Menschen auf Dauer nicht passiv sein und ihr Leben allein zu Hause verbringen“ heißt es in der Conclusio: „Dies zu ermöglichen fordert zum Handeln auf: Sowohl die Politik, die die Rahmenbedingungen setzen muss, als auch die Freizeitindustrie, die kostengünstige und zielgruppengerechte Freizeitangebote schaffen muss“.

Manfred Hluma

Dienstag, 1. Juli 2008

„Wenn der Name falsch ist…“ oder „Der Jammer mit den Adressen“

Sehr geehrter Herr Hluma! „Be a star – bewerben Sie sich als Modell“, schreibt die Modefirma Balina-Joppich. Man suche für die Modeaufnahmen 2008/2009 Mädchen und Damen, die die neue Kollektion der Cocktail-, Abend- und Brautkleider präsentieren wollen.
„Wir erwarten jugendliches gepflegtes Ausehen und eine positive, offene Ausstrahlung“. Tja, mit letzterer könnte ich ja noch dienen, aber bei den angeforderten Daten über Brustumfang, Taillenumfang, Hüftumfang und Körpergröße hätte man dort wahrscheinlich keine Freude. Und außerdem bin ich ja keine Dame, auch wenn man mich hartnäckig mit Kundin anspricht.
Ob es sich dabei um eine neue Form von Transgender-Marketing handelt? Oder hat man mich bei meinem letzten heimlichen Auftritt als Drag-Queen erwischt?
Nein, es ist viel banaler und handelt sich nur um eine schlecht gewartete Adressdatenbank. Leider kommen diese immer häufiger vor, offenbar widmen die Firmen diesem durchaus wichtigen Marketingtool zuwenig Aufmerksamkeit.
Selbst bei hoch zertifizierten Betrieben, deren Produkte state-of-the-art sind, erlebt man es immer wieder, dass das Adressmaterial für eine geplante Aussendung schleißig ist. Da fehlt der Vorname, dort gibt es überhaupt keinen Namen, sondern nur die Firma, oft auch ohne Abteilung. Mit solchen Daten zu arbeiten, ist vergebliche Liebesmüh: Wer heute an einen größeren Betrieb eine Einladung beispielsweise für eine Produktpräsentation ohne konkreten Empfänger-Namen sendet, kann sie gleich selbst in den Papierkorb werfen und sich wenigstens das Porto ersparen.
Auch Computerfirmen wie Kaspersky, bei den der Umgang mit Daten zum Tagesgeschäft gehört, schaffen keine perfekte Anrede. Man behilft sich mit der Anrede „Sehr geehrter Herr/Sehr geehrte Frau Manfred Hluma“, frei nach dem Motto, eine von beiden wird wohl passen.
Nun gibt es professionelle Adressenhändler, die sich anbieten, wenn man neue Geschäftsfelder betreten will. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Ihre Neukundengewinnung erfolgreich anzukurbeln“, schrieb mir kürzlich die Schober Information Group: „Nutzen Sie über 100 Merkmale wie z. B. Region, Branche, Interessen und Kaufkraft zur treffsicheren Selektion der richtigen Firmen- und Privatadressen“.
Klingt gut, nicht wahr? Leider war mein Name verkürzt und der Rest komplett falsch geschrieben – peinlich, peinlich, denn wie gut sind dann wohl die anderen Adressen, wenn man es schon bei der eigenen Werbeaussendung nicht richtig schafft…..

Manfred Hluma

Donnerstag, 5. Juni 2008

Ojektiv betrachet - Das perfekte Pressefoto (2)

Gestern ging's um die formalen Kriterien, die ein Pressefoto auf seinem Weg zum Abdruck erfüllen muss ... heute beschäftigen wir uns mit dem Inhalt und den Trends bei der Gestaltung:

Der kreativen Gestaltung bzw. der Auswahl des Fotomotivs sind zwar keine Grenzen gesetzt, dennoch gilt es, einige Empfehlungen zu beachten: Etwa, dass ein Pressefoto sich grundsätzlich von Werbe- und Imageaufnahmen unterscheiden sollte. D. h. dem Betrachter werden weder vordergründige Logos oder Schriftzüge „auf’s Aug’ gedrückt“, noch allzu gestellte Szenerie. „Wo schlürft denn schon ein leuchtend geschminktes, frisch frisiertes Model einen Cocktail in der Sauna?“, visualisiert Jeller das Thema „gekünstelter Foto-Auftritt“.

Geschichten erzählen
Was Motivauswahl, Perspektiven und Bildschnitte betrifft, liegt das „andere“ Pressebild klar im Trend. Das weiß Michael Lang, Chefredakteur der APA (Austria Presse Agentur) und Jurymitglied beim Objektiv 2008, dem diesjährigen Pressefoto-Award der APA. Im Vordergrund des Kriterienkatalogs zur Bewertung der eingereichten Fotos stand die Geschichte, die ein Foto erzählt. Daneben richtete sich der Adlerblick der Juroren auf technische Kriterien wie Lichteinfall ebenso wie auf den künstlerischen Moment und nicht zuletzt auf die Originalität der Fotos. Oft aufgenommene Standardsituationen wie aalglatte Postkarten-Bergpanoramen, die austauschbare Blondine, die uns von der Sonnenliege aus entgegenlächelt, oder langweilige Frontalaufnahmen von Menschengruppen, Gebäuden & Co ziehen kaum mehr Blicke auf sich. Hauptsache, ein Foto kann sich von der Masse abheben, ob nun ein bestimmtes Thema mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern in Bild umgesetzt wird, das Foto durch einen ungewöhnlichen Bildausschnitt aus der Reihe fällt oder dem Betrachter einen neuen Blickwinkel auf vielleicht alt Bekanntes bietet.

„Das Pressefoto muss Informationen transportieren“, erklärt Lang. Statt der zwar idyllischen, jedoch menschenleeren Bergwiese würde er zum Beispiel einen barfüßigen Manager im Anzug über eben diese Wiese springen lassen und das Ganze auf Speicherkarte bannen. „Hier können sich auch gestresste Stadtmenschen entspannen.“ – Solch ein Bild braucht keine Erklärung, es drückt ein Lebensgefühl aus und spricht somit eine klare Botschaft.


„Bloßes Abfotografieren der Infrastruktur war gestern. Heute muss ein Foto Unterhaltungswert bieten“, meint Gernot Langs, Werbe- und Pressefotograf, der unter anderem für Steiermark Tourismus oder die Tourismusregion Hauser-Kaibling Fotoregie führt. Der Fotograf muss die zu kommunizierenden Botschaften unbedingt kennen, um sich zunächst damit zu beschäftigen und sie in Folge visuell umsetzen zu können. „Ein professionelles Bild braucht ein Konzept“, erklärt er. Bei seinen Shootings überlässt er nichts dem Zufall: Vom Licht und der Farbgebung über die Kleidung und die Accessoires bis zum Hintergrund und Dynamik muss alles perfekt ins Bild passen. …

Text: Alexandra Gruber

Mittwoch, 4. Juni 2008

Objektiv betrachet - über das perfekte Pressefoto

„Das Bild ist die Mutter des Wortes“, sinnierte der deutsche Schriftstellter Hugo Ball – „Wie wahr“, findet Karl-Heinz Jeller, Leiter der Reiseredaktion der Tageszeitung Kurier, „denn ein aussagekräftiges Bild und der Titel einer Geschichte, das sind d i e beiden Faktoren, die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine Story lenken.“

Professionell & kreativ
Es sind die Fotos, die mehr als die sprichwörtlichen 1.000 Worte über ein Angebot aussagen. Dementsprechend kann hoch qualitatives Bildmaterial einer Presseaussendung auch den Weg in die Printmedien bahnen. Eine Tatsache, die vielen Anbietern zwar bewusst ist, die sie jedoch oft geflissentlich übersehen. Jeller bemängelt, dass noch immer jede Menge unbrauchbarer Fotos aus aller Herren Urlaubsdestinationen die Redaktionen erreicht: Von unprofessionellen Handkamera-Schnappschüssen über Abbildungen von längst verstaubter Skimode bis hin zu Online-Fotos, die gerade mal einen Abdruck in Briefmarkengröße zulassen – die Qualität und Motivauswahl des beigestellten Bildmaterials lässt allzu oft zu wünschen übrig. Jeller rät daher, bei der Produktion eines Pressefotos weder an Geld für den Einsatz eines Profifotografen mitsamt hochwertiger technischer Ausrüstung zu sparen, noch an Kreativität, Originalität – und Planungszeit, denn „Ein gutes Pressefoto wird nicht aus der Hüfte geschossen, das braucht schon Regie …“

Formale Vorgaben
Der anvisierte „Abdruck in den Printmedien“ wird für ein Foto erst dann realistisch, wenn es die technischen wie formalen Voraussetzungen erfüllt: Ein Bild, das in A5-Größe in einem Hochglanzmagazin abgedruckt werden kann, muss unbedingt über eine Auflösung von 300 dpi (dots per inch) verfügen und etwa 13 x 18 cm groß sein. Achtung: mit sehr niedrig aufgelösten Fotos, die z. B. für das Internet bestimmt sind (72 dpi), können die Medienmacher nichts anfangen.

Zwar kann der Hochglanz-Printabzug, der einer postalischen Aussendung beiliegt, durchaus bei den Redakteuren punkten, in jedem Fall muss das Pressefoto jedoch elektronisch erhältlich sein: etwa im Downloadbereich der Website oder auf einer Foto-CD. Der Versand als E-Mail-Beilage ist bei den Redakteuren verpönt, die großen Dateien verstopfen die Mailboxen. Als elegantere Lösung für den virtuellen Versand bietet sich die Platzierung von Links zu den hoch aufgelösten Fotos, die auf einem Server liegen.

Darüber hinaus sollte man beim Versand unbedingt auf die Sicherung sämtlicher Fotorechte wie auf folgende Angaben achten:

• Bildhinweis: Abdruck honorarfrei
• Name des Fotografen bzw. des Inhabers der Fotorechte, z. B. Firma Fotoblick
• Kurzbeschreibung des Motivs und/oder die Namen der abgebildeten Personen
• Datum der Aufnahme

So, jetzt wissen Sie über die formalen Kriterien für ein erfolgreiches Pressefoto Bescheid. Im morgigen Blog erzählen wir Ihnen mehr zur Auswahl der Motive und zur inhaltlichen Gestaltung Ihrer Bilder ...

Text: Alexandra Gruber

Sonntag, 4. Mai 2008

„Journalisten, Sex und Tiefenrausch“ oder „Wie man einen Weltrekord aufstellt“

Dass Journalisten bei einer Pressekonferenz den Mund halten sollen – oder müssen -, ist normalerweise nicht der Sinn der Sache. Doch zwei Meter unter Wasser bleibt ihnen nichts anderes übrig.
Trotzdem erfreute sich die Unterwasser-Pressekonferenz, zu der die Autoren des Buches „Noch mehr Sex und Tiefenrausch – Weitere 333 Antworten auf Taucherfragen“ am letzten Aprilsamstag ins Wiener Waldbad in Penzing geladen hatten, eines deutlichen größeren Zuspruchs als die mancher politischen Partei.
Der Unterwasser-Pressekonferenz, bei der die Autoren mittels Helmtauchgerät und Unterwasser-Kommunikationssystem einen via Unterwasserlautsprecher übertragenen und durch wasserfeste Flipchart-Tafeln unterstützten Vortrag hielten, wohnten insgesamt 25 Journalisten bei, was zugleich einen neuen Weltrekord bedeutet.
Der bis dato – ebenfalls von den Autoren gehaltene – Weltrekord, der auch im aktuellen Guinness Buch der Rekorde enthalten ist, lag bei 21 Journalisten. Mit der nunmehrigen – notariell beglaubigten - Teilnehmerzahl konnte diese beeindruckend gebrochen werden.
Wasserfeste Pressemappen sorgten für zusätzliche Informationen an die Journalisten, die auf Schreibtafeln zugleich auch Fragen an die Autoren stellen konnten. Eine Frage drängt sich den Journalisten zu Ende der Pressekonferenz noch auf: „Warum dieser Titel?“ Die Antwort folgt sofort: „“Taucherflasche, Seepferdchen und Algen“ wäre weniger griffig gewesen, „Sex ist schon ganz OK...“ steht auf eine der letzten Tafeln. Der Weltrekord war nach rund 25 Minuten geschafft und die 25 Journalisten verließen als frischgebackene Weltrekordteilnehmer das Wasser.
Nach dem gelungenen Weltrekordversuch gab es, schließlich steht ja die Fußball-EM in Haus, ein Unterwasser-Match. Es gab ein Fußballfeld in rund 2 Meter Wassertiefe im Hallenbad des Waldbad Penzings. Am Boden angebracht waren – wie bei einem „echten“ Spiel – zwei Fußballtore. Die Teams bestanden aus jeweils drei Tauchern, die unter Wasser „Apnoe“, also ohne Tauchgerät, gegeneinander in diesem Freundschaftsspiel antraten.
Einer der beiden Schiedsrichter war übrigens der derzeit wohl weltbeste Freitaucher und mehrfache Weltrekordhalter Herbert Nitsch, als österreichische Teamkapitän agierte Christian Redl, ebenfalls mehrfacher Weltrekordhalter im Freitauchen.
Letztendlich triumphierte Österreich mit 10: 5 gegen Deutschland, das gelingt wohl nur unter Wasser ….
Auch medial war die skurrile Veranstaltung ein Erfolg: rund 800 Zuschauer hatten sich eingefunden, etliche Kamerateams aus Österreich und Deutschland (u. a. ORF, Laola1.TV und die Pro7/Sat1/Kabel1-Gruppe) richteten ihre Objektive auf die Wasseroberfläche, Krone-Hitradio und Radio Wien berichteten via Äther und unzählige Vertreter von Nachrichtenagenturen, Tageszeitungen und Magazinen waren beim Weltrekordversuch und dem Unterwassermatch dabei.
Manfred Hluma

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hlumamanfred - 25. Mär, 10:15
Sehr interessant
Informativer Artikel. Ich wusste noch nichts von den...
Carlaa - 1. Mär, 00:08

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