Donnerstag, 17. April 2008

„Über die qualitative Demokratie“ oder „One man, ten votes?“

Ein mühsam erkämpftes und quasi ehernes Gesetz der Demokratie lautet „Ein(e) Bürger(in), eine Stimme“. An der Entscheidung über die Entwicklung der Gesellschaft soll jeder im selben Ausmaß bei den diversen Wahlen abstimmen können.

Mit einem radikalen Bruch dieser Tradition und einem Konzept für eine neue qualitative statt der bisherigen quantitativen Demokratie tritt die deutsche Stiftung „Global Voter“ an. Ihr Credo: „Wer mehr leistet, bekommt mehr Stimmen“. Wer sich mehr engagiert als andere Mitbürger, soll auch mehr Stimmgewicht bei Wahlen haben. Im Maximalfall zehn Stimmen statt nur einer.

Kim P. Erichsen, Initiator und Gründer von „Global Voters“, lässt außer Streit, dass „die Demokratie des 19. und 20. Jahrhunderts die Menschheit weiter gebracht haben“. Aber man könne heute erkennen, dass sich die Demokratie nicht mehr weiter entwickle: „Die quantitative Demokratie, die alle über einen Kamm schert, führt dazu, dass die politische Entscheidungsmasse immer unterdurchschnittlicher wird“, erklärte Erichsen in einem Interview mit dem deutschen Wirtschaftsmagazin „brand eins“.

Wer die Demokratie und die Gesellschaft nachhaltig stärken will, sollte seiner Meinung nach auch mehr Gewicht in Form von Stimmen haben als andere, denen die Gesellschaftsentwicklung nichts bedeutet.

Ungerecht sei dies nur dann, wenn man davon ausgeht, dass sich Engagement nicht lohnt, meint Erichsen, der selbst auf ein aktives Unternehmer-Leben zurückblicken kann und den heute nur noch sehr ausgewählte Projekte interessieren: „Projekte, bei denen der Ruf nach dem kreativen Imperativ laut zu hören ist“.

Seine Basisidee bei Global Voters: „Jeder kann im Laufe seines Lebens durch entsprechende Qualifikation zwischen einer und zehn Stimmen erreichen“. Dies deshalb, weil jene, die für zehn Stimmen gut sind, „mehr für das demokratische System und die Gesellschaft getan haben als die anderen“.

Im Prinzip sieht das Modell so aus: Jeder wird mit einer Wahlstimme geboren, die er ab dem entsprechenden Wahlalter ausüben kann. Diese Basisstimme kann nicht aberkannt werden. Jeweils eine weitere Stimme gibt es für einen Schulabschluss, eine abgeschlossenen Berufsausbildung, eine Meisterprüfung oder einen Hochschulabschluss.
Für die Promotion und Habilitation sieht Erichsens System jeweils noch eine Stimme vor. Doch auch wer einige Jahre selbständig ist, erhält eine Stimme mehr.
„Akademische und berufliche Karrieren werden gleich behandelt, das ist heute noch längst nicht so“ (Erichsen).

Auch sozialpolitisches Engagement soll gewürdigt werden. Wer sich über längere Zeit – ab zehn Jahren – für andere engagiert, etwa durch ehrenamtliche Mitarbeit in Hilfsvereinen, Stiftungen oder Fürsorgeeinrichtungen -, hat ebenfalls Respekt verdient und damit eine weitere Stimmen. Pro weiteren zehn Jahren kämen jeweils eine Stimme dazu.

Besonders außergewöhnliches Engagement sollte dann noch einmal - in Form eines Ordens – mit ein bis drei Stimmen belohnt werden. Ein solcher Orden würde allerdings nur in direkter Demokratie per Abstimmung der Bürger oder ihrer Gremien vergeben werden.

Ein 25-Jähriger könne mit etwas Anstrengung nach dem Global Voter-Modell etwa fünf Stimmen erreichen, zehn Jahre später eventuell schon acht oder neun. Einwände, den Gleichheitsgrundsatz außer Kraft zu setzen, entgegnet er, „die von uns so genannte qualitative Demokratie setzt keinen der bestehenden Grundsätze außer Kraft“. Die „Einstimmer“ würden nicht zur vernachlässigten Minderheit, weil Grundgesetze und Grundrechte ausschließlich mit Mehrheiten von beispielsweise 90 Prozent aller Wahlberechtigten beschossen werden könnten.

In der Praxis sollen die Abstimmungen und Wahlen über das Internet erfolgen: „Das ist dynamisch, schnell nutzbar und transparent“. Global Voter setzt auf direkte Demokratie und will eine „Cyberdemokratie“. „Es braucht Menschen, die ein System entwickeln, in dem das Beste nicht nur eine Vision bleibt, sondern auch für alle sichtbar umgesetzt wird“, erklärt Erichsen. (www.globalvoter.org)

Manfred Hluma

PS: Während Global Voter wahrscheinlich noch lange nur ein Diskussionsthema bleiben wird, tritt eine neue Gruppierung am rechten Rand in diesen Tagen an die österreichische Öffentlichkeit, die „Nationale Volkspartei“ (NVP). Liest man deren Programmideen (www.nvp.at) kann man nur hoffen, dass es ein Kurzauftritt wird.

Freitag, 4. April 2008

„Der Hofer war´s“ oder „Wie gut Kundenservice sein kann“

Manchmal ist die Servicequalität namhafter Unternehmen nicht wirklich kundenfreundlich (siehe „Österreichs Behinderungs Bahn" oder „Wie man Kunden vergrault“ vom 20. Februar).
Andere verblüffen mit nicht erwartetem Service: ein Medion-Laptop, gekauft um 700 € bei Hofer, hat nach wenigen Monaten einen Tastaturschaden.
Nachdem das Gerät via Hofer beim Hersteller Medion nach drei Wochen als repariert zurück kommt, ist der Fehler leider nicht behoben. Das führt zu längeren Gesprächen mit der Serviceabteilung von Hofer. Dort bedauert man das und schlägt vor, das Gerät erneut einzusenden.
Das Argument, dass man das Gerät ja zum Arbeiten benötige und es ärgerlich sei, das Gerät noch einmal für einige Wochen nicht verwenden zu können, versteht der Kundenbetreuer. Er weist allerdings darauf hin, dass laut ABG Geräte dreimal zur Reparatur übergeben werden müssen, bevor der Händler den Kaufpreis zurückerstatten muss (was übrigens - leider - richtig ist). Außerdem hat er kein anderes Gerät dieser Serie mehr und auch beim Hersteller gibt es keines. Auch sonst sieht er keine Möglichkeit, ein Ersatzgerät für die Dauer der Reparatur anzubieten.
Aber: Weil er die Kundenprobleme versteht und helfen will, bietet er eine überraschende Lösung an. Man möge sich für die nochmalige Reparaturzeit einen Laptop mieten und Hofer übernehme die Rechnung dafür. Die Filialleiterin werde verständigt und man könne nach der Zustellung des Originalgeräts die Miete für das Ersatzgerät gegen die entsprechende Rechnung erstattet erhalten.
Gesagt getan. Die knapp zwei Wochen dauernde Miete kostete an die 400 €, die völlig problemlos in bar in der zuständigen Hofer-Filiale ausbezahlt wurden.
Ein gutes Beispiel dafür, wie man Kunden über die gesetzlich vorgegebenen Richtlinien hinaus perfekt behandeln kann. Dass die zur Reparatur übergebenen Geräte dann per UPS-Botendienst nach Hause zugestellt werden, ist auch angenehm.
Manfred Hluma

Freitag, 28. März 2008

„Mehr Geld für mehr Raucher“ oder „ Verblüffende Versicherungsmathematik“

Am Stammtisch oder in ähnlichen Runden hört man oft das Argument, dass Menschen, die ihrem Körper und ihrer Gesundheit bewusst schaden - beispielsweise Raucher -, mehr in das Gesundheitssystem einzahlen sollten, weil sie ja mehr medizinische Leistungen benötigten.
Einen verblüffenden anderen Ansatz fand eine holländische Lebensversicherung. Sie brachte eine neue Polizze heraus, bei der die Raucher für ihr Laster gleichsam belohnt werden. Sie erhalten bei den monatlichen Rentenzahlungen aus der sogenannten Rauchenerlebnisversicherung bis zu einigen hundert Euro mehr als Nichtraucher.
Der Grund ist naheliegend: Raucher leben deutlich kürzer als Nichtraucher und belasten damit das Rentenbudget der Versicherung weniger. 15 bis 24 Zigaretten täglich kosten rund 7,5 Lebensjahre, schreibt Sozialforscher Bernd Marin, wer noch mehr konsumiert, stirbt statistisch gesehen um zehn Jahre früher.
Die Versicherung verlangt von ihren Kunden für den Abschluss der neuen Polizze übrigens als Suchtbeweis einen Urintest und eine eidesstattliche Erklärung. In dieser ist zu bestätigen, dass man in den letzten fünf Jahren niemals länger als einen Monat nicht geraucht hat. Außerdem darf man nicht öfter als zweimal versucht haben, mit dem Tabakkonsum aufzuhören. Die ebenfalls zu beglaubigende Mindestdosis sind zehn Zigaretten, sechs Zigarren oder fünf Pfeifen täglich.
Sogenannte „Bonusleibrenten“ sind in Großbritannien nichts Neues. Wer sich mittels Einmalerlag eine Pensionsrente kauft, kann mit höheren Auszahlungen rechnen, wenn er nachweislich gesundheitlich beeinträchtigt ist. Beispielsweise bei Bluthochdruck, chronischer Bronchitis, Diabetes, Leberzirrhose und Alzheimer. Bei Leberzirrhose beispielsweise beträgt die jährliche Rentenzahlung rund das Dreifache der Standardrente - allerdings erlebt man sie halt weniger lang. Für die Versicherung ist das Ganze ein todsicheres Geschäft, das sich mit der Versicherungsmathematik einfach berechnen lässt. In Großbritannien bewegt sich diese Geschäftssparte inzwischen in Milliardenhöhe. Man darf gespannt sein, wann ähnliches auch in Österreich angeboten wird.
Manfred Hluma

Mittwoch, 19. März 2008

„Vom Pflaster-Casting“ oder „Stenzel sucht den Superstar“

Ursula Stenzel, Bezirksverweserin der Wiener Innenstadt, schafft es immer wieder, ungläubiges Erstaunen hervorzurufen. Man erinnert sich an die geplanten Patscherln für die Fiakerpferde, damit das Pflaster nicht so stark abgenutzt wird. Es gab Appelle für mehr Ruhe in der Innenstadt, Aktionen gegen die Schanigärten und eine teilweise Vertreibung der Punschstände. Außerdem verbat sich Stenzel zuviel Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit.
Nun will sie den Kleinkünstlern an den Kragen gehen, die sich mit Musik oder Pantomime durch ihre Auftritte bei Wind und Wetter ein paar Euro verdienen wollen. Wenn es nach Stenzel geht, darf künftig nicht jeder daher gelaufene Clown eine komische Figur sein, sondern nur sie selbst.
Die Qualität der Kunst muss offenbar auch am Innenstadtpflaster hoch gehalten werden und deshalb schlägt sie vor, die dort Auftretenden vorher einem Casting zu unterziehen - frei nach dem Motto „Stenzel sucht den Superstar“.
Wer also glaubt, als vagabundierender Straßenmusikant in Wien so einfach einen Arbeitsurlaub einlegen zu können, der irrt. Zuerst muss vorgespielt werden, das ist ja bei den Philharmonikern nicht anders. Und für jede andere Show wird schließlich auch gecastet, von Assinger ab- und aufwärts.
Und dann soll man sich in Wien einfach auf den Stephansplatz oder Graben stellen dürfen? Das wäre ja wirklich noch schöner.
Auf die Durchführung darf man gespannt sein. Vielleicht sind Arbeitsproben - beispielsweise Demobänder erfolgreicher Auftritte in anderen Städten - einzureichen.
Vielleicht hört und sieht sich eine koalitionär zusammengesetzte Bezirkskommission die Kandidaten im Bezirksamt an, jeden Dienstag von 16:00 bis 16:30 Uhr?
Oder entscheidet das Ursula Stenzel am Heimweg von einem der Innenstadtlokale, in denen sie ihre Schnapsideen ausbrütet, einfach im Vorbeigehen: „Du gehst, Du kannst bleiben…“.
Manfred Hluma

Dienstag, 11. März 2008

"Exhumiert Falco" oder "Wie man von Toten profitiert"

Speziell den Wienern wird ja eine gewisse Verbundenheit zum Tod nachgesagt. Eine "Schöne Leich" gilt als Attribut für ein - wie auch immer - gelungenes Begräbnis und wer einigermaßen prominent ist, wird zur letzten Ruhestätte in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof gebettet. Und auch die Kapuzinergruft zieht Touristen an.
Doch unsere südlichen Nachbarn zeigen vor, wie man einen Kult um einen prominenten Toten perfekt kommerzialisieren kann. Ehrwürdige Verstorbene des Kaiserhaus schön und gut, aber der - gesteuerte - Auftrieb um den italienischen Heiligen Padre Pio erreicht fast schon unchristliche Ausmaße.
Der Franziskanermönch Padre Pio, der von 1887 bis 1968 gelebt hat, und neben dem heiligen Franziskus der am meisten verehrte Heilige in Italien ist, zieht die Massen mehr als zu Lebzeiten an. Seit 1918 zeigten sich bei ihm angeblich die Wundmale Christi, später war er auch als Krankenheiler und Prophet tätig. 1999 wurde er von Johannes Paul II. selig, 2002 dann heilig gesprochen. Er gilt als einer der populärsten Heiligen Süditaliens.
Das kleine Dorf im Hinterland Apuliens auf der Halbinsel Gargano, in dem der Mönch gelebt und angeblich Wunder gewirkt hatte, ist längst einer der größten Wallfahrtsorte Europas. In der 27.000-Einwohner-Gemeinde gibt es 194 Hotels, 132 Bars, 110 Restaurants und Dutzende Großraumparkplätze. An jedem Wochenende kommen bis zu 500 Autobusse nach San Giovanni.
Nun wurde anlässlich des bevorstehenden 40. Jahrestages seines Todes der Leichnam Anfang März exhumiert – nicht zuletzt weil die Wunder Pios umstritten sind. Die Exhumierung der sterblichen Überreste des Franziskaner-Mönchs wurde in Anwesenheit einer Kommission aus mehreren Ärzten, einem vatikanischen Experten und einer Nichte des Heiligen durchgeführt.
Ab 24. April soll die Leiche dann öffentlich ausgestellt werden. Bis dahin wird der Leichnam in einer Krypta der Kirche Santa Maria delle Grazie aufbewahrt. "Einige Teile des Leichnams wie die Füße sind intakt", sagte Erzbischof Domenico Umberto d'Ambrosio. "Wir hoffen, dass auch der Papst zum Leichnam von Padre Pio pilgern wird", sagte der Erzbischof - es geht ja nichts über Marketing.
Am 23. September, dem Jahrestag seines Todes, soll dann das Grab des 2002 heiliggesprochenen Padre Pio in eine neue Kirche überführt werden, die vom Stararchitekten Renzo Piano in der süditalienischen Ortschaft San Giovanni Rotondo - 40 km nordöstlich von Foggia - erbaut wurde. Ein noch größerer Besucheransturm ist programmiert.
Bleibt zu überlegen, ob man in Österreich ähnliches tun kann. Doch auch bei längerem Nachdenken kommt man fast nur auf ein Möglichkeit: Exhumiert Falco! Viel mehr – attraktive - Heilige haben wir nicht.
Manfred Hluma

Mittwoch, 20. Februar 2008

"Österreichs Behinderungs Bahn" oder „Wie man Kunden vergrault“

„Nerven sparen – Bahn fahren.“ Erinnern Sie sich noch an diese Werbung der ÖBB? Heute würde man diesen Spruch nur noch mehr oder weniger milde lächeln, weil Bahnfahren inzwischen Nerven kostet. Denn bei den ÖBB scheint es eine Truppe zu geben, deren Auftrag darin besteht, die Kunden zu vergraulen. Fast könnten man meinen, die Devise heißt „Von der Schiene auf die Strasse“ und nicht umgekehrt.

Nun ist es ja noch verständlich, dass die ÖBB nicht unnötig leere Waggons herumschicken will, sondern eher wenige, die dafür besser ausgelastet - sprich ordentlich besetzt – sein sollen. Zwangsweise haben sich die Bahnkunden deshalb daran gewöhnt, dass Gemütlichkeit beim Bahnfahren im vorigen Jahrhundert geendet hat. Heute sitzt man in den Zügen gedrängt wie in den Billig-Airlines, allerdings im Vergleich dazu um ein Vielfaches teurer.

Dabei ist es ja fast schon ein Glück, wenn man einen Sitzplatz oder notfalls auch nur einen Stehplatz hat. Erst kürzlich wurde der überfüllten Eurocity EC 42 "Franz Liszt" beim Grenzübergang Hegyeshalom/Nickelsdorf zwangsgeräumt, 300 Fahrgäste mussten aussteigen!

Dass dann bei manchen hypermodernen Zügen die Schaffner die Reisewilligen fast schon mit Gewalt vom Betreten abhalten müssen, weil wieder einmal kein Verantwortlicher den Platzedarf richtig kalkuliert hat, ist leider auch Realität. Yield-Management scheint sich bis zu den ÖBB noch nicht herumgesprochen zu haben.

Dass Pendler frieren müssen, weil die Heizung in den oft sowieso schon „abgewohnten“ Waggons nicht funktioniert, ist leider ebenfalls eine immer wieder kehrende Tatsache. Aber auch sonst ruft der Umgang des steuerverschlingenden Staatsmolochs mit den kaufwilligen Kunden Kopfschütteln bis Verzweiflung hervor.

Zwei weitere Beispiele dafür, wie weit sich das ÖBB-Marketing von den Kunden entfernt:

• Bahnkarten für kürzere Entfernungen haben seit Mitte Februar ein reduziertes Ablaufdatum – wird die gekaufte Karte nicht binnen einer Woche benutzt, verliert sie die Gültigkeit. Den Sinn dieser Maßnahme mag verstehen wer will, kundenfreundlich ist sie nicht.

• Noch ein ÖBB-Schwachsinn gefällig? Sie kaufen via Internet eine Bahnkarte für einen Mitarbeiter oder Ihren Lebenspartner und bezahlen mit Ihrer Kreditkarte.
Eigentlich eine feine Sache. Man muss sich nicht anstellen oder einen der bedienungsaufwändigen Automaten in den Kassenhallen benutzen (vom früheren Luxus, die Fahrkarte beim Schaffner – ohne Aufpreis – kaufen zu können, einmal abgesehen).
Doch der Haken daran: Fahren darf mit der bezahlten und erworbenen Karte – Normaltarif, keine Ermäßigung! - nur derjenige, dessen Namen auf der Kreditkarte steht. Ätsch, ausgetrickst!
Wer das nach dem Kauf entdeckt und bei der ÖBB anruft, erhält nur die Auskunft, dass dies nun mal so sei und man das Problem kenne. Lösungsvorschläge kommen keine, man solle halt eine andere Fahrkarte an der Kassa kaufen und versuchen, die Internetbuchung rückerstattet zu bekommen.

Man ist wirklich versucht, die Abkürzung ÖBB neu zu deuten: ÖBB = Österreichs Behinderungs Bahn!

Manfred Hluma

Dienstag, 5. Februar 2008

Von der "Tagwolke" oder "Sprechen Sie Web 2.0?"

Ist eine „Tagwolke“ das Gegenteil von „Nachtklarheit“? Trifft man beim „Social Bookmarking“ Gleichgesinnte in der Gemeinde-Bücherstube beim Nachmittagskaffee zum Tratsch über neue Werke? Ist „Widget“ eine neue Schweineart?
An die zwei Drittel der Internetbenutzer verstehen bei vielen Fachbegriffe nur Bahnhof. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von „eResult“ (http://www.eresult.de). Danach können 30 Prozent der befragten User nicht einmal mit dem Begriff "Web 2.0" etwas anfangen. Spezialausdrücke sind sogar für 60 Prozent ein Rätsel. Auch Begriffe für etablierte Elemente und Funktionen aus dem E-Commerce-Bereich sind für viele missverständlich. So konnten 45 Prozent der Befragten die oft bei Online-Shops angebotene Funktion "Direktbestellung" nicht richtig deuten. Rund die Hälfte brachte zudem die Begriffe "Filtern" und "Sortieren" durcheinander.
Ausgangspunkt der Studie war die Frage, was sich Nutzer unter dem Web 2.0 vorstellen können. Man stellte - nicht sonderlich überraschend – fest, dass
Durchverbraucher sich relativ schwer tun, mit den immer neuen Begriffen etwas anzufangen. Problematisch sei es für viele zudem, dass die große Mehrheit der Web-Begriffe ursprünglich aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammt.

Dies gilt der Studie nach neben dem Web-2.0- genauso für den E-Commerce-Bereich. Speziell in den Online-Shops hätten Benutzer oft gravierende Probleme zu verstehe, was genau gemeint ist.

Die Bezeichnung für Funktionen und Elemente haben jedoch entscheidenden Einfluss auf den Erfolg eines Angebots. Sind Begriffe unklar, müßten sie eindeutiger gestaltet werden. Eine zusätzliche Beschreibung von Begriffen und Funktionen kann in vielen Fällen hilfreich sein.

Und bei manchen Begriffen kratzen sich auch fortgeschrittene User am Kopf: Oder wissen Sie, was eine "Tagwolke" ist?

Hier also einige Begriffe zur Erklärung:

Tagwolke:
Eine „Tagwolke“, „tag cloud“ oder „Schlagwortwolke“ ist die Methode zur optischen Informationsumsetzung, bei der eine Liste aus Schlagworten zweidimensional alphabetisch sortiert angezeigt wird. Dabei sind einzelne unterschiedlich gewichtete Worte größer oder auf andere Weise hervorgehoben dargestellt. Wortwolken werden zunehmend beim gemeinschaftlichen Indexieren und in Weblogs eingesetzt. Bekannte Anwendungen sind die Darstellung populärer Stichwörter bei Flickr, Technorati und Del.icio.us.

TagCloudBasedOnFlickr


Widget:
Ein Widget ist eine Software, die auf der grafischen Benutzeroberfläche des Betriebssystems dargestellt wird. Üblicherweise handelt es sich um ein kleines eigenständiges Programm mit Fenster, welches eine (kleine) Funktion oder Anzeige übernehmen kann.


DesktopX_Objects

Trackback:
Als Trackback wird eine Funktion bezeichnet, mit der Weblogs Informationen über Reaktionen bzw. Kommentare durch einen automatischen Benachrichtigungsdienst untereinander austauschen können.
Die Trackback-Funktion ermöglicht es den Bloggern festzustellen, ob auf ihren eigenen Eintrag in einem anderen Weblog Bezug genommen wird. Dazu werden zwischen den beteiligten Weblogs nach einem festen Protokoll Daten ausgetauscht, die die Beziehung zwischen den betreffenden Einträgen herstellen.
Es hat sich eingebürgert, dass Trackbacks nur versendet werden, wenn im bezugnehmenden Artikel auch ein Link auf den Ursprungsartikel enthalten ist. Eine Minderheit von Bloggern tauscht auch dann gegenseitig Trackbacks aus, wenn bloß ein inhaltlicher Zusammenhang besteht, um die Verknüpfungen in der Blogosphäre zu verstärken.

Tag/Tagging:
Ein Tag-Editor (oder Tagger) ist eine Software, die in erster Linie das Editieren von Metadaten in Multimedia-Dateiformaten erlaubt, anstatt den eigentlichen Inhalt der Datei zu verändern. Dies sind hauptsächlich Tagger für die bei gängigen Audioformaten üblichen Tagging-Systeme wie ID3, APE und Vorbis comments. Es können aber zum Beispiel auch Tagger für JPEG- oder TIFF-Metadaten sein.
Ein gängiges Anwendungsgebiet eines Tag-Editors ist es, die Metadaten von Multimedia-Dateien zu korrigieren und sie nach dieser Ordnung im Dateisystem zu sortieren. Fortschrittliche Tagger bieten dazu eine Stapelverarbeitung an, damit nicht jede Datei einzeln bearbeitet werden muss.
Typische Metadaten zu einem Buch sind beispielsweise der Name des Autors, die Auflage, das Erscheinungsjahr, der Verlag und die ISBN. Zu den Metadaten einer Computerdatei sind unter anderem der Dateiname, die Zugriffsrechte und das Datum der letzten Änderung zu zählen

Social Bookmarking:
Social Bookmarks sind Internet-Lesezeichen, die in einem Netz (Internet oder Intranet) mit Hilfe einer Browser-Oberfläche von verschiedenen Benutzern durch Gemeinschaftliches Indexieren erschlossen und mittels eines RSS-Feeds bereitgestellt werden. Sogenannte Social Bookmark Netzwerke können neben dem Sammeln von Links und Nachrichtenmeldungen auch zum Sammeln von Podcasts oder Videos konzipiert sein.
Zu den deutschen Vertretern, die sich auf das bookmarken von News spezialisiert haben, gehören unter anderem Webnews, yigg und tausendreporter.
Nutzer können bei allen Anbietern eigene Lesezeichen hinzufügen, löschen, kommentieren bzw. mit Kategorien oder Schlagwörtern (tags) versehen. Ebenso haben sie Einblick in die Lesezeichen anderer Nutzer. Social Bookmarks lassen sich nach Kennwörtern (Tags), Tag-Kombinationen oder Benutzern auflisten. Zudem gibt es in vielen Fällen eine Auflistung der von allen Nutzern zuletzt gespeicherten Lesezeichen auf der Startseite sowie eine Liste der beliebtesten Links. Jede dieser Linklisten lässt sich mit Hilfe eines RSS-Feeds verfolgen.
Alles roger? Dann können Sie ja nun beruhigt auf Ihrer Tagwolke schweben und träumen……
Manfred Hluma

Freitag, 25. Januar 2008

"Kontradieff, die 6." oder "Über die Salutogenese"

Das Faszinierende an der Salutogenese ist es, dass es sich gleichermaßen um ein Forschungsprogramm, ein Bildungsprogramm, ein Gesundheitsprogramm, ein Stressbewältigungsprogramm und alltagsrelevantes Lebens-Programm handelt, das sich inzwischen auch die WHO zu eigen gemacht hat.
Drei Ansätze sind die innovativen Pfeiler des Salutogenesemodells:
• Eine neue Betrachtung von Gesundheit und Krankheit durch das Gesundheits- Krankheits-Kontinuum
• Eine Neubewertung der Wirkung von Stressoren
• Eine neue Betrachtung der Ressourcen und Perspektiven des Einzelnen

Bei der Verarbeitung von Stressoren bzw. der Bearbeitung von Stressreaktionen helfen neben gut ausgeprägten generellen Einstellungen (Kohärenzgefühl) persönliche Widerstandsressourcen, die es im salutogenetischen Ansatz aufzufinden und zu fördern gilt.
Niemand würde bestreiten, dass der Erreger von Tuberkulose der entscheidende kausale Faktor für die Tuberkuloseerkrankung ist. Aber es ist durchaus nicht so, dass Menschen ohne Stress nicht krank werden. Im Gegenteil: Stressoren agieren häufiger als angenommen als Gesundheitserreger. Sie stellen eine Herausforderung dar, sich in Richtung Gesundheit zu entwickeln.

Als Schutzfaktoren für die Gesundheit nennt Antonovsky neben körpereigenen und genetischen Abwehrkräften auch individuelle, kulturelle und soziale Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Problemlösung wie Ich-Stärke, Intelligenz, Einfühlungsvermögen, soziale Unterstützung, materieller und geistiger Wohlstand und alltagstaugliche Bewältigungsstrategien (wie Höflichkeit, Chuzpe, Notlügen usw.).
Der Organismus ist nach seinem Konzept bestrebt, zumindest ein Gleichgewicht zwischen bedrohlichen und gesundheitsförderlichen Anteilen zu erreichen. Gesundheit bzw. Gesundung wird durch den Zusammenhang von drei dauerhaften geistig-seelischen Grundorientierungen bzw. Einstellungen (Sense of Coherence= Kohärenzerleben oder Kohärenzgefühl) befördert, über die gesunde Menschen in besonders ausgeprägter Weise verfügen:
Verstehbarkeit: Umwelt, Situationen, Ereignisse, Entwicklungen, andere Menschen und auch das eigene Selbst werden erlebt als irgendwie strukturiert, geordnet, verstehbar, erklärbar und in gewisser Weise als vernünftig vorhersagbar. Welt und Selbst erscheinen nicht als schicksalhaft und unergründlich.
Handhabbarkeit/Bewältigbarkeit: Vor dem Hintergrund der Verstehbarkeit erwächst der Eindruck von Handhabbarkeit. Man hat gleichsam die Gewissheit, generell über geeignete Ressourcen und Hilfsquellen zu verfügen, um innere und äußere Herausforderungen, Probleme und Schwierigkeiten tatsächlich meistern zu können. Dazu können eigene Ressourcen, Helfer oder höhere Mächte beitragen.
Sinnhaftigkeit/Bedeutsamkeit: Bei dieser wichtigsten Komponente geht es um das Ausmaß, in dem jemand sein Leben, seine Biographie, sein Tun, seine Ziele und Werte als sinnvoll, interessant und lebenswert erachtet. Deshalb lohne sich Einsatz und Engagement, auch wenn nicht alles so klappt, wie man es sich manchmal vorstellt.

“Schon seit längerer Zeit hatte ich es als unbefriedigend empfunden, dass sich Psychologen fast ausschließlich mit Krankheit befassen. Menschen in Not zu helfen, ist ein ehrenwertes Ziel. Aber mir war auch stets das komplementäre Ziel wichtig: das Leben gesunder Menschen zu bereichern“, erzählte der deutsche Religionsphilosoph Christoph Jacobs und Salutogenese-Forscher in einem Interview und er empfiehlt den Menschen, sich auch aus den Religionen Kraft zu holen.

Bei der Salutogenese geht es prinzipiell um die Änderung der Blickrichtung weg von Krankheit und Defizit hin zu Gesundheit und Stärken der Menschen. Der Prozess läuft seit einigen Jahren, eine Dekade der Gesundheitswissenschaften hat begonnen. Zu einem durchgreifenden Umdenken kommt es erst langsam. Denn so provozierend es auch klingen mag, es dürfte stimmen, was Max Planck einmal gesagt hat: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben, und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut ist.“
Manfred Hluma

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hlumamanfred - 25. Mär, 10:15
Sehr interessant
Informativer Artikel. Ich wusste noch nichts von den...
Carlaa - 1. Mär, 00:08

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